Nun bin ich schon ein paar Tage überfällig Euch zu erzählen, wie es nach der Entscheidung Russland zu verlassen weiter ging. Es lief natürlich nicht alles nach dem gefassten Plan, gemütlich über eine Woche oder auch länger Richtung Norden zu fahren und wenn es nicht mehr weiter geht, irgendwo ein nettes Hotel, Apartment oder ähnliches zu suchen, als Plan B sozusagen. Das wäre ja auch viel zu langweilig geworden. Am letzten Abend in Astrakhan erreichte meine Beiden die Information, dass ab dem nächsten Tag kein Hotel mehr neue Gäste aufnehmen darf – bis zum 1. Juni!! Gäste, die bereits in einem Hotel sind, dürfen bleiben und müssen vom Hotel versorgt werden. Damit wäre Plan B nicht mehr möglich. Ohne eine offizielle Unterkunft in Russland zu bleiben wäre sehr schwierig, da man sich alle 7 Tage registrieren muss – also nix riskieren und doch bleiben? Für wie lange? Unter welchen Bedingungen?
Zum Glück hatten meine Beiden Kontakt zu Deutschen in Nishny Novgorod, die spontan anboten, sie aufzunehmen, sollte es mit der Grenze nicht klappen
Früh am nächsten Morgen ging es also los, mit dem neuen Back-up Plan. Erster Tag, gut 500km an Wolgograd vorbei. Abends durfte ich sogar noch ein paar Meter Off-road fahren zu einem wirklich schönen Plätzchen für uns 3. Damit ich mich weiter so gut benehme, wir am ersten Tag, wurde ich gut mit Öl und Streicheleinheiten versorgt.






Am Abend kam dann die nächste „Hiobs-Botschaft“ für meine Beiden: Russland macht die Grenzen in gut 24 Stunden dicht. Keiner kommt mehr raus! Da die Finnische Grenze noch gut 1800km entfernt war, gab es keine Chance diese vor der Deadline zu erreichen. Über weitere Kontakte bekamen meine Beiden die Telefonnummer der Finnischen Grenzer und konnte dort am nächsten Morgen anrufen. Die Auskunft hier war: bis Ende des Monats ist die Grenze für EU Bürger die nach Hause wollen noch offen – also: 3 Tage. 600km an einem Tag kann ich schaffen! Das haben meine Beiden zum Glück auch erkannt und noch blieb auch die Option nach Nishny Novgorod abzubiegen. Weiter gings. Mittags kam dann die Information, dass die Russische Seite bestätigt hat, dass sie wirklich niemanden mehr durch lassen. Trotzdem war die Entscheidung klar: ich biege nicht nach Nishny Novgorod ab!
Abends gab es wieder frisches Öl für mich und ein bisschen Schlaf für meine Beiden irgendwo am Wegesrand.



Am nächsten Morgen bestätigten die Finnen wieder, dass die Grenze noch offen ist, dafür kam die Nachricht, dass es in Moskau jetzt eine Ausganssperre gibt. Die Anspannung bei meinen Beiden war groß, denn an Moskau mussten sie noch vorbei……Ob das klappen würde?….. und dann…… dann überholte mich, wie aus dem Nichts, Lotte. Lotte ist ein VW T5 mit Berliner Kennzeichen und hatte offensichtlich schon viel von der Welt gesehen. Bis zum nächsten Rastplatz achtete Lotte darauf mich nicht abzuhängen. Dort konnten meine Beiden und die Beiden von Lotte dann Handynummern austauschen und sich fortan über Google-live tracking verfolgen. Wir hatten alle dasselbe Ziel und so war der Plan dieses gemeinsam zu erreichen sehr schnell klar.
Da Lotte doch etwas schneller unterwegs ist als ich, durfte sie von dannen ziehen. Moskau wurde von Lotte und mir auf unterschiedlichen Routen weiträumig umfahren, um kein Risiko einzugehen. Trotz vieler Baustellen und 2 großen Staus, war ich hinter Moskau vor Lotte…..hihihi…… na gut, zugegeben: die Beiden von Lotte haben sich und Lotte eine Mittagspause gegönnt, meine Beiden nicht…. Ich musste 10 Stunden mit nur einem kurzen Tankstop durch fahren!…. Lotte überholte mich dann auch bald wieder. Abends wartete sie dann aber schon brav auf mich und meine Beiden. Dieses Mal auf einem Autobahnrastplatz.
Auf der Strecke hatte es schon ein paar mal kräftig geschneit – ich werde wohl doch langsam mal vom Wüstenauto zum Schneemobil – und auf dem Rastplatz bei meinem abendlichen Verwöhnprogramm wurde es dann auch sehr deutlich, dass wir inzwischen fast 2000km nördlich von Astrakhan waren.



Gut 24 Stunden sollte die Grenze noch offen sein, wenn man den Finnen glauben konnte. Da war schaffbar! Über den Abend kamen immer mehr Informationen, dass die Ausganssperre auf ganz Russland ausgeweitet wurde, insbesondere auch auf St. Petersburg, wo es am nächsten Tag durch gehen musste.
Inzwischen doch sehr nervös waren meine Beiden um 3:00wach und Uhr bereits hellwach und entschieden um viertel vor 5 dann doch nicht mehr auf Lotte zu warten sondern schon zu starten. Lotte würde mich sowieso einholen. Im Dunkeln ging es also die Leere Autobahn weiter hoch Richtung Grenze. Ohne Zwischenfälle und bei strahlendem Sonnenschein ging es an St. Petersburg vorbei. Lotte holte mich tatsächlich erst kurz vor der Grenze ein.
Gegen Mittag ging es dann gemeinsam die letzten Kilometer. Ein erstes Aufatmen konnte ich im Fahrerhaus 10km vor der Grenze laut und deutlich hören: hier gab es ein Art „vor-check“ wo nur die Nationalität der Pässe kurz geprüft wurde und ich durfte weiter rollen! Die Grenzabfertigung selbst war dann sehr schnell und unkompliziert. Keine Schlangen. Lotte und ich waren die einzigen privaten Fahrzeuge. Wir wurden auch beide nur sehr oberflächlich gecheckt. Sowohl auf Russischer als auch auf Finnischer Seite waren wir alle in Rekord Zeit durch.
Nach gut 10 Stunden Fahrt jeden Tag in den letzten 4 Tagen und fast 2400km, wurde auf dem Parkplatz an der Grenze erstmal ein riesen Topf Nudeln gekocht. Das hatte sich alle 4 wirklich verdient!



In etwa 60km wurde ein nettes Plätzchen für die Nacht ausfindig gemacht und in Kolonne ging es dann direkt dort hin. Bis dahin wollte ich meine Beiden noch bringen, aber dann brauche auch ich eine Pause. Man kann mir zwar viel zu muten und wenn es drauf ankommt lasse ich meine Beiden nicht im Stich! Aber jetzt, wo wir es geschafft haben, brauche ich dringend eine Pause und damit meine Beiden garnicht erst auf die Idee kommen weiter zu fahren, baue ich einen Fehler ein, der nicht so schnell mit Bordmitteln repariert werden kann. Leider schlägt der Fehler doch ein bisschen zu früh zu, so dass ich mich bei eisigem Wind von Lotte die letzten Meter zum Schlafplatz ziehen lassen muss….. wie peinlich….. Dort finden Patrick und Lottes Fahrer dann den Fehler relativ schnell: ein Loch in der Kupplungs-Hydraulikleitung. Provisorisch kann es nicht geflickt werden. Die nächste Werkstatt ist aber nur 5km entfernt und da kann Lotte mich auch am nächsten Tag noch hin bringen.
Jetzt ist für alle erstmal Pause angesagt. Es wird noch ein netter Abend mit Weinchen und Snacks um den gelungenen Grenzübertritt zu feiern.



Ausgeschlafen brachte mich Lotte dann am späten Vormittag zur Werkstatt, die zwar selber nicht die richtigen Werkzeuge hatten um eine neue Leitung herzustellen, aber wussten wo das geht. Keine Stunde später war ich wieder fit, naja fast fit, denn eines meiner Augen (Scheinwerfer) war mir wieder zugefallen….. bin nach der Tour doch immer noch ein bisschen müde und meine Beiden auch.
So musste ich dann nur 30km weiter zu einem wirklich schönen Platz. Lotte begleitete mich noch ein letztes Mal. Meinen Scheinwerfer hatten meine Beiden dann auch recht schnell repariert und den Rest des Nachmittags konnten wir alle zum ersten Mal seit einer Woche so richtig entspannen und die zauberhafte Landschaft genießen.
Am nächsten Morgen hatte es ordentlich geschneit. Lotte verließ uns in Richtung Schweden und ich durfte mich erstmal noch 2 weitere Tage erholen, und musste nur ab und an ein bisschen Strom generieren, damit die Standheizung es meinen Beiden gemütlich war machen konnte, denn bei Schnee und im Schatten der Bäume ist das Solarpanel dann doch nicht ausreichend.










Heute durfte ich mich dann wieder ein bisschen bewegen. Einkaufen, Tanken, Wasservorräte auffüllen und zu einem Platz der sonniger ist ging es 30km weiter. So soll es nun auch die nächsten Tage und vermutlich Wochen weiter gehen, aber davon berichte ich dann beim nächsten Mal.

