Von Ostpreußen nach Warschau

Jetzt bin ich zum Ende der Reise doch ein bisschen schreibfaul geworden, das muss nun nachgeholt werden. Nach der letzten Nacht in Lettland habe ich meine Beiden noch zu einem letzten touristischen Highlight in Lettland gebracht: „the northern forts“ ist eine Festung aus dem 2. Weltkrieg, die den Naturgewalten der Ostsee nicht Stand gehalten hat und in bizarren Formen ins Meer gestürzt ist.


Nächstes Ziel: Litauen, genauer gesagt, die ehemaligen Ostpreussischen Gebiete, auf den Spuren der Familiengeschichte. Doch auf dem Weg dahin musste ich noch ein paar deutsche Anhalter aufsammeln, die irgendwie den Bus verpasst hatten und auch nach Litauen wollten. Ob das an der Grenze gut gehen würde? Litauen sollte ja wieder ein paar Regeln verschärft haben. Aber bevor meine Beiden und die Anhalter klären konnten, was die beste Strategie für die Grenze wäre, war ich schon im nächsten Land. Grenzkontrollen gab es keine, aber meine Beiden musste ihre Masken wieder hervorkramen. Nachdem die Anhalter erfolgreich abgesetzt waren, konnte es endlich zum Tagesziel gehen – mal wieder Stadt: Klaipeda, bzw. Memel stand auf dem Programm.
Nach einem gemütlichen Stadtbummel, kamen meine Beiden dann noch mal zurück, denn sie hatten einen etwas besseren Übernachtungsplatz gefunden, also einmal umparken. Zum Essen ließen sie mich dann wieder alleine, was sich irgendwie als Fehler rausstellte, denn im ersten Restaurant war das Buchungssystem ausgefallen, so dass keine Bestellungen aufgenommen werden konnten…. (hab ich schon mal erwähnt, dass ich die neumodischen Technik ziemlich unsinnig finde?), im 2. Restaurant, war die Wartezeit auf das Essen über eine Stunde. Erst im 3. Restaurant gab es dann endlich was zu essen – in meiner Küche wäre das deutlich schneller gegangen….. Klaipeda Stadt ist recht überschaubar, hat, aber eine sehr nette Kneipen Ecke, so dass meine Beiden entschieden noch eine weitere Nacht zu bleiben und den nächsten Tag der Kurischen Nehrung noch einen Besuch abzustatten. Da das zu Fuß dann irgendwie einfacher war, musste ich in der Stadt ausharren, während meine Beiden es sich bei bestem Sommer Wetter am Strand auf der Kurische Nehrung gemütlich machten.


Dann ging es aber auch für mich wieder weiter. Nächster Stopp auf den Spuren der Geschichte: Silute, bzw. Heydekrug. Auch hier sind noch die Spuren Ostpreußens zu finden. Z.B. im Museum des Ehemaligen Gutshofes des Örtchens. Noch viel sichtbarer sind aber die Spuren der Soviet Zeit und so war recht schnell klar, dass es hier eigentlich nicht schön genug war zum Übernachten.

Da das Kurische Haff nicht besonders weit weg war, musste ich noch mal ran und meine Beiden bis zu einer Badestelle am Haff bringen. Erstmal auf den Überlaufparkplatz, denn an einem Sommer-Sonntag Nachmittag war dann doch sehr viel los, aber mit der Zeit verabschiedeten sich die Tagesgäste und ich bekam einen Platz in der ersten Reihe, mit perfektem Blick auf die Nehrung und den Sonnenuntergang. Das Wasser war hier so flach, dass ich noch hätte durchfahren können, aber das durfte ich dummerweise nicht……. Grummel…. Da wird einem der Spass einfach verwehrt….
Da der Platz wirklich schön war, entschieden meine Beiden noch einen weiteren Tag zu bleiben und so langsam wird mir echt wieder langweilig….. Aber ich bin ja kreativ. Da wir jetzt fast alleine waren, sollte ich mich auf einen noch besseren Platz bewegen. Ausparken lasse ich mich, und dann, mitten auf dem Parkplatz, so dass ich maximal im Weg stehe, ist der perfekte Platz, um die Spritzufuhr zu kappen…. Ein bisschen Spass muss ich ja auch mal haben dürfen!…. Dumm nur, dass Patrick meinen kleinen Trick sofort entlarvt hat und ich mich 5 Minuten später, mit einem neuen Kabelschuh an der Dieselpumpe doch noch auf den besseren Parkplatz bewegen muss. So bleibt am Ende noch genug Zeit für einen faulen Tag.


Nun muss es aber doch langsam Richtung Heimat gehen. Da die Russischen Grenze Richtung Kaliningrad immer noch für Touristen geschlossen ist, geht es immer entlang der Grenze durchs Memel-land. Der nächste Stopp, war eigentlich nur als Zwischenstopp gedacht, um die Nacht zu verbringen. Netterweise gesellt sich aber „Heini“ mit seiner 2 und 4 Beininge Besatzung zu mir. Heini war mal ein Feuerwehrauto und darf jetzt, zumindest im Urlaub, auch ein bisschen was von der Welt sehen. Da meine Beiden sich mit Heinis Besatzung sehr gut verstehen, bleiben alle an dem Platz, auch wenn dieser eigentlich nicht wirklich schön ist. Dafür wird der Abend um so länger und netter.
Am nächsten Morgen gehen Heinis und mein Weg dann in unterschiedliche Richtungen weiter. Für mich geht es zum letzten Stopp in Litauen. Ganz in der Nähe der Stelle, wo ich 6 Wochen zuvor meine erste Nacht im Baltikum verbringen durfte. Ein gemütlicher und interessanter Abschnitt der Reise geht damit zu Ende und die letzte große Etappe beginnt. Zurück in Polen geht es zum ersten Mal seit über 2 Monaten auf einen Campingplatz. Irgendwie war die Sehnsucht nach einer richtigen Dusche aufeinmal aufgekommen. Und das, obwohl ich meinen Beiden doch eigentlich alles bieten kann, aber nun ja, ein bisschen Luxus sei ihnen gegönnt. Frisch geduscht ging es am nächsten Morgen direkt noch ein kleines Stückchen weiter, an den Rand eines Nationalparks, wo meine Beiden die nächsten 2 Tage die vorbeiziehenden Paddler und Flöße beobachten konnten und noch mal ein bisschen Zeit hatten zum durchschnaufen, denn ein bisschen Kultur stand noch auf dem Programm: Es ging nach Warschau. Aber erstmal musste ich noch nach Bialsystok rein zur Mittagspause – nein, Städte mag ich wirklich nicht, aber meine Beiden schon, also muss ich wohl mit.

Ein bisschen weiter durfte ich noch: bis kurz vor Warschau. Zumindest der Platz, war ein bisschen mehr nach meinem Geschmack. So konnte auch ich noch mal durchschnaufen und meine Beiden dann bis tief in die große Stadt reinbringen.
In Warschau hatte ich dann endlich mal wieder etwas länger Pause, und konnte mich ein bisschen von allem erholen. Nach 5 Monaten zogen meine Beiden nämlich temporär aus. Wenn auch nur für 3 Nächte, aber so konnten sie die Stadt besser erkunden und ich hatte endlich mal meine Ruhe.
Die Warschauer Altstadt hat meinen Beiden sehr gut gefallen, und irgendwie noch mehr, als klar wurde, dass eigentlich kein Haus älter als 60 bis 70 Jahre ist, denn die Deutschen hatten dafür gesorgt, dass im historischen Zentrum kein Stein auf dem anderen blieb. Um so erstaunlicher ist die Leistung der Warschauer, ihre Altstadt und das Schloss wieder aufzubauen und zwar so, wie sie früher einmal war.


Am nächsten Tag stand dann eigentlich ein Besuch im Marie Curie Museum auf dem Plan, was aber leider geschlossen war. So ging es dann erstmal zum Denkmal des Warschauer Aufstandes und zum Abschluss des kulturellen Ausflugs durfte ein Rundgang durchs Schloss nicht fehlen.
Da meine Beiden in Deutschland inzwischen schon ein mittelgroße Ersatzteillager für mich angelegt haben, und ich direkt hinter der Grenze noch mal richtig fit gemacht werden soll…. Ich muss so eine komische Prüfung bestehen…, stand dann noch ein bisschen Shopping auf dem Programm, denn so richtige Bastelklamotten durften nicht mit auf die Reise. Im Sommerschlussverkauf, war das nötigste dann aber schnell gefunden und auf dem Rückweg stolperten meine Beiden dann noch zufällig über eine Kneipen Ecke. So war der Plan für den Nachmittag und Abend dann auch schnell gefasst: die Beute in Sicherheit bringen und dann das Warschauer Nachtleben ein bisschen erkunden.


Am letzten Tag ging es noch mal zurück in dieselbe Ecke zu einem letzten Museum, in dem besondere Hubschrauber und Flugzeuge zu sehen sind….. Alles was sich nicht auf der Erde bewegt ist mir ja sehr suspekt…. Dann waren meine Beiden irgendwie von so viel Stadt und Sightseeing müde getobt und das Wetter wollte auch nicht mehr so richtig. Ein gemütlicher Nachmittag in der Ferienwohnung war genau das Richtige. Am Abend ging es noch ein letztes Mal in den Sturm und Regen raus, denn zum selber kochen, waren meine Beiden bei der kulinarischen Vielfalt Warschaus dann doch zu faul.
Heute war die Zeit in Warschau schon wieder vorbei. Ich wurde schwer beladen und durfte die große Stadt endlich verlassen. Mit einem kleinen Stopp bei meinen Altersgenossen und Vorfahren, startet die letzte große Etappe in Richtung Deutschland. In wenigen Tagen, werde ich meine Beiden wohl über die letzte Landesgrenze auf dieser Reise bringen.

Noch einmal Lettland

Ein bisschen Strand-Urlaub ist schön, haben sich meine Beiden gedacht, denn so langsam geht die Reise dem Endspurt entgegen. Aber bevor meine Beiden noch mal die Strände Lettlands unsicher machen konnten, habe ich sie nach Riga gebracht. Schon wieder Stadt und dann auch noch eine mit unglaublich viel Kopfsteinpflaster….. mir tut immer noch jede Schraube weh, wenn ich daran denke. Aus Protest habe ich dann auch die Schraube, die meinen Schalthebel seit Georgien in Position hält (vielleicht erinnert ihr Euch an die Reperatur vor dem Kloster) endgültig abgeworfen. Eine Neue werden meine Beiden dort nicht mehr anbringen können, denn das Gewinde ist nun endgültig kaputtgerappelt……. So das haben sie nun davon! Aber für ein paar Kilometer hält sie doch noch, irgendwie, ich bin ja schließlich kein un-Auto….

Der erste Stopp in Riga galt dann auch meinem Tank und nicht der Schraube. Provisorisch abgedichtet, war die Hoffnung, dass ich trocken bis nach Deutschland komme. Wenn da nicht das blöde Kopfsteinpflaster wäre…..

Aber zuerst machten meine Beiden Riga unsicher. Für Inken war es der 2. Besuch in Riga. Fast genau vor 9 Jahren war Riga der erste Stopp, der ersten großen Reise. Dieses Mal konnten sie Riga von einer ganz anderen Seite erleben. Nach Vilnius und Tallinn, war es dann doch erstaunlich, dass Riga mit der Entwicklung dieser beiden Städte nicht mitgehalten hat, und schon 2 Querstraßen außerhalb des touristischen Zentrums der Verfall offensichtlich wurde. Oder hatten meine Beiden diese Stadtviertel in den andere Städten einfach durch Zufall nicht gesehen?

Am 2. Tag in Riga musste der Eindruck natürlich noch mal vertieft werden. Nach wie vor beeindruckend und mit viel frischer Ware bestückt war der Zentralmarkt, auch wenn er aktuell nicht in den Hallen selbst stattfindet, sondern draußen davor. So kamen meine Beiden dann schwer bepackt mit frischem Obst und eingelegtem Gemüse für eine kurze Mittagspause zurück. Schon am Morgen hatte ich deutlich gemacht, dass mir die provisorische Reparatur nicht so gut gefallen hat, aber es scheint, dass meine Beiden damit jetzt erstmal einfach weiter leben wollen…

Am Nachmittag ging es dann weiter auf Erkundungstour. Ein paar altbekannte Ecken, wie das Mahnmal der im Holocaust zerstörten Synagoge, und eines der höchsten Häuser Rigas, welches „Schwesterhochäuser“ in Moskau hat. Auch die Bremer Stadtmusikanten mussten natürlich noch mal besucht werden. Diese sind ein Geschenk der Hansestadt Bremen, an die Hansestadt Riga um den Fall der Mauer zu würdigen.

Nach 2 Tagen Riga, ging es dann mit einem letzten Stopp beim Markt weiter an den Strand – dieses mal musste ich mitkommen, damit meine Beiden nicht so viel so schwer schleppen mussten….. jajajaja, aber ich darf den ganzen Kram dann schleppen….

Eine Nacht am Strand-Vorort von Riga hat meinen Beiden und mir dann auch gereicht, ein bisschen mehr Ruhe um den Strand zu genießen wäre doch irgendwie schöner. So durfte ich mal wieder ein paar Kilometer mehr auf den Tacho bringen und die beiden über Kap Kolka an die lettische Westküste bringen. Dort gibt es nämlich viele tolle Stellen, und fast menschenleeren Strände, bei perfektem Strandwetter.

Nach einem ersten Nachmittag am Strand, war ich dann aber erstmal wieder dran. Ein paar Dinge hatten sich angesammelt, die meine Beiden beheben wollten: noch mal ein letzter Versuch den Tank dicht zu bekommen – mit mäßigem Erfolg, dafür war ich dann aber bei den anderen Dingen gnädiger: das Fernlicht hatte ich mal wieder permanent ausgeschaltet, meine Beiden brauchen es eh nie, wenn ich immer nur tagsüber mal eine Stunde mich bewegen darf. Da sie aber meine Lieblingsstelle inzwischen gut kennen, war es in ein paar Minuten wieder einsatzfähig. Dann hatte ich mir angewöhnt, mein Standlicht selbständig einzuschalten, wenn mir langweilig wird. Ein bisschen Spass muss ja schließlich auch sein. Den Fehler hatte ich gut versteckt in den Schalter eingebaut, aber auch den haben sie schnell gefunden und behoben und zu guter Letzt musste die Schraube vom Schalthebel irgendwie in Position gehalten werden, denn ein paar Kilometer sind es noch zu fahren, bis meine Beiden an die richtigen Ersatzteile kommen. Nach einigem kämpfen mit der Schraube und einer stumpfen Säge (wer nimmt denn bitteschön stumpfes Werkzeug mit auf so eine Reise…… versteh ich nicht…..), ist es ihnen tatsächlich gelungen, die Schraube so zu kürzen, dass sie nun von einer Schlauchschelle in Position gehalten werden kann. Ein Tipp von anderen, die meine Schwestern und Brüder seit vielen Jahren so fahren. Nun kann es viel rütteln, die Schraube werde ich nicht mehr abwerfen können.

Dann war aber noch mal Strand angesagt. Am nächsten Tag ging es wieder ein Stück weiter, mit einem Stopp zum Einkaufen um die Vorräte aufzustocken, denn dieser neue Platz sollte ganz besonders schön sein, und meine Beiden wollten dort dann ein paar Tage bleiben. Der Weg zum Platz war dann auch endlich mal wieder was nach meinem Geschmack, durch den tiefen Sand immer an den Dünen entlang, bis ich einmal ein bisschen zu wenig Schwung hatte, und meine Beiden entschieden, dass sie lieber die Sonne am Strand genießen, als zu riskieren mich im Zweifel ausbuddeln zu müssen….pfffft…… da kann man endlich mal ein bisschen Spass haben und wird dann direkt zurückgepfiffen…… Feiglinge!

Dafür habe ich den Beiden dann auch keinen Schatten gespendet, so dass sie statt zu baden erstmal das Sonnensegel setzen mussten….. und als sie damit fertig waren, hat sich dann auch noch ein Golf direkt neben mir im Sand versenkt….. also doch Auto befreien!….. tja, das haben sie nun davon! Ich durfte beider Aktion aber zuschauen, denn ein bisschen schieben hat ausgereicht um den guten zu befreien.

Der Nachmittag am Strand war dann aber trotzdem schön und es sollte der einzige bleiben, denn die nächsten Tage war es so windig, dass sich meine Beiden trotz Sonne in mich rein verkrochen haben. Drei Nächte durfte ich in den Dünen stehen, dann sollte es weiter gehen, spät am letzten Abend, eigentlich schon mitten in der Nacht klopfte es dann an meiner Tür. Lettische Jugendliche hatten sich mit Ihrem Audi festgefahren, ungefähr da, wo meine Beiden mich zurück gepfiffen hatten…… Ob ich die raus ziehen könnte? Jetzt? Im Dunkeln? So tief drin, dass ich selber ohne Schwung nicht mal bis dahin komme?…… hmmm….. So richtig motiviert waren weder meine Beiden noch ich. Schließlich bin ich doch ein alter Herr und brauche meinen Schönheitsschlaf…. Aber meine Sandbleche und meinen Klappspaten leihe ich gerne aus, dann habe ich sie zumindest nicht umsonst mitgeschleppt.

Leider konnte ich damit dann doch nicht helfen. Irgendwann nach Mitternacht, meine Beiden waren schon im Bett, kam einer von meinen jungen wilden Verwandten und hat die armen dann recht schnell befreit. So das auch diese Geschichte ein gutes Ende genommen hat.

Dann ging es auch schon wieder weiter zum letzten Stopp in Lettland. Noch einmal Strand, auch hier muss ich hinter der Düne stehen, auch hier ist es sehr windig, dafür ist der Sand wunderbar weich….. Ob ich doch noch mal ein bisschen drin spielen darf?

Tallinn und Strand

huihuihui….. Schon wieder ist so viel passiert, dass ich gar nicht mehr dazu komme Euch alles zu erzählen. Seit dem letzten Bericht habe ich meine Beiden an der Estnischen Nordküste immer weiter gebracht, mit einem schönen Wanderstopp, bis zum nördlichsten Punkt Estlands. Auch dort gibt es einen dieser tollen Wild-Campingplätze, der entsprechend gut besucht war. So konnten meine Beide dann auch meine Bar ausführlich vorführen und über einen netten, langen Abend mit den Nachbarn teilen. Darf ich vorstellen: georgischer Brandy, polnischer Vodka, estnischer Vana, sowie Bier und Wein habe ich eigentlich (fast) immer im Angebot….grins…… Da das Wetter so toll war und die Sonnenuntergänge noch viel schöner, war für mich mal wieder ein kleines Päuschen angesagt und für meine Beiden ein Auskater-Strandtag.


So ein bisschen langweilig war mir da ja schon, so dass ich mir dringend mal eine neue Herausforderung für die Beiden einfallen lassen musste….. tropf…..tropf….. hmmmm…. auf dem Schotteruntergrund merken sie es nicht…..
Frisch ausgeruht ging es weiter nach Tallinn. Ein Einkaufs-Stopp mit Teerparkplatz…… tropf……tropf….. und endlich sehen sie, was ich mir hab einfallen lassen….. hihihihihih……. Immer nur Öl zu verteilen wird ja dann doch ein bisschen langweilig…. Deswegen darf es dieses Mal Diesel sein. Ganz langsam, Tröpfchen für Tröpfchen aus dem Tank.
Das schreckt meine Beiden dann aber erstmal nicht davon ab, Tallinn in Ruhe unsicher zu machen. Eine Stadt, die meinen Beiden so gut gefallen hat, dass ich mir dort 3 Nächte du 4 Tage lang die Reifen platt stehen musste!….pfffft…. gesehen habe ich die Beiden in der Zeit eigentlich nur zum Schlafen. Nicht mal zum Essen sind sie vorbei gekommen. Sie meinten, dass es in Tallinn einfach so viele tolle Restaurants und Kneipen gibt, dass mein Essen da nicht mithalten kann…… grummel……. Am ersten Abend ging es durch die wunderschöne und toll restaurierte Altstadt bis in die Oberstadt, von der aus meine Beiden wohl einen tollen Blick auf Tallinn hatten.


Am nächsten Tag stand dann der Wasserflugzeughangar mit seinen riesigen selbstragenden Kuppeln auf dem Programm, in dem heute ein Marine Museum, inkl U-Boot, untergebracht ist. Am Hafen im Freigelände sind dann noch viele weitere Schiffe zu bewundern. Unter anderem der Eisbrecher „Suur Töll“. Von dort ging es weiter durch traditionelle Stadtviertel, zum Markt und dann ins Künstlerviertel „Telliskivi“, einem alten Fabrikgelände, in dem Butiken, Kneipen und Restaurants untergebracht sind. Dort hat es meinen Beiden so gut gefallen, dass sie bis zum späten Abend da geblieben sind…… erwähnte ich schon, dass ich in Tallinn einfach so alleine gelassen wurde, und nur noch zum Schlafen besucht wurde?……. schnief……

Am 3. Tag war Waschtag, und da die Wäscherei mitten im modernen Tallinn lag, durfte ich meine Beiden nicht mal dahin begleiten. Irgendwie hatten die Angst, dass ich dort keinen brauchbaren Parkplatz finden würde….. Aber Stadtjungel ist ja eh nicht so meins, und so war es dann auch ok, dass meine Beiden mit Rucksäcken voller schmutziger Wäsche loszogen, aber nicht ohne vorher meine Aufenthaltsgenehmigung (Parkticket) zu verlängern, was sich als erstaunlich kompliziert erwies: Kleingeld (2 Euro um genau zu sein) hatten meine Beiden nicht mehr….. versoffen…… sag ich Euch!….. Man kann auch per SMS bezahlen, wenn man Estnischen SIM Karten hat. Hatten meine Beiden, nur kein Guthaben… kann man ja per App nachladen, geht aber nur über eine Estnischen Bank….. 2. Möglichkeit: per ParkApp. Das hätte beinahe geklappt, wenn die Freischaltung der Kreditkarte in der App nicht in mehreren Versuchen gescheitert wäre. Also: doch zur Tankstelle um die Ecke und ganz klassisch einen Geldschein in Münzen tauschen lassen. Ich sage Euch: Einfache, alte solide Technik ist einfach zuverlässiger als dieser ganze neumodische Kram!!!

Dann konnte es aber endlich los gehen. Das moderne Tallinn hat es auf einzigartige Weise geschafft, alte und moderne Architekturen miteinander zu verbinden und so stehen an manchen Stellen, die modernen „Glaskästen“ auf den Häusern vergangener Generationen einfach oben drauf.
Irgendwann bequemten meine Beiden sich dann doch zurück zu kommen, mit sauberer Wäsche… nur um dann direkt wieder für einen letzten Abend in Tallinns Altstadt los zu ziehen. Nun ja, ich habe mich ein bisschen damit abgefunden einsam und alleine auf einem Parkplatz mein Dasein zu fristen, und so sei es ihnen gegönnt.

Am nächsten Tag ging es dann weiter Richtung Süden, wieder ein Stückchen dichter an die Heimat, auf einen dieser tollen Wild-Campingplätze in Estland. Meine Beiden konnten dort die Ruinen einer Uralten Festung bestaunen und ich bekam ein bisschen Pflege und mein Öl-Schnäpschen. Nur mit dem Dieseltank habe ich mir endlich mal wieder was einfallen lassen, was meine Beiden nicht so einfach selber beheben können. Dafür ist es auch nur ein kleines bisschen, was ich da rauslasse, also muss ich wohl erstmal so weiter reisen. In Riga soll es aber eine gute Werkstatt geben, die ich dann ansteuern darf.

Nach einer weiteren entspannten Nach durfte ich weiter rollen. Bis nach Pärnu sollte es gehen. Pärnu ist die Stadt mit dem schönsten Strand Estlands, und schon sehr lange als Kur- und Badeort beliebt. So war dann auch recht viel los, alle Kneipen und Restaurants gut besucht und auch am Strand ließen sich viele nicht von den kühlen Temperaturen abschrecken (17 Grad Luft und Wasser Temperatur). An der Strandpromenade entdeckten meine Beiden dann auch noch ein schönes Plätzchen für die Nacht und so wurde ich von meinem Tagesparkplatz abgeholt und durfte auch mal wieder ein bisschen Stand unter meinen Reifen spüren, während meine Beiden die Strandbars begutachten mussten. Dumm nur, dass die Strandbars, dann irgendwann Strand-discos wurden und doch etwas länger gefeiert wurde, als meine Beiden fit waren…. Hihihihi, die werden halt auch älter,….. mir macht das zum Glück nix aus, und so war ich am nächsten Morgen ausnahmsweise mal fitter als meine Beiden.


Zu allem Übel musste es dann am nächsten Morgen nämlich noch ungewöhnlich früh weiter gehen, denn ab 9:00 war der Parkplatz nicht mehr kostenlos. Ein kurzer Stopp etwas außerhalb der Stadt zum Frühstücken, ein weiterer Stopp zum Wasserauffüllen und schon habe ich meine Beiden zum letzten Wild-Camp in Estland gebracht. Dank meiner besonderen Sandfahr-Fähigkeiten konnte ich für meine Beiden einen Platz in der ersten Reihe ergattern, wo nun heute noch mal ein bisschen Seele-baumeln angesagt ist, bevor es morgen oder übermorgen, je nach Wetter, nach Riga weiter gehen soll, in der Hoffnung, dass ich dort doch wieder ein bisschen dichter werden…. Was die Beiden sich immer für Hoffnungen machen….. tststs…….

Zurück zur alten Route

Zwei Länder weiter, und damit ins letzte „neue Land“ auf dieser Reise, habe ich meine Beiden inzwischen schon gebracht. Wir sind in Estland. In Litauen durfte ich noch 2 Tage bleiben und ein bisschen spielen, während meine Beiden die Seen und Sonnenuntergänge genossen haben. Immer in Gesellschaft von Litauern im Sommerurlaub.

Eigentlich sollte es ja direkt nach Norden nach Lettland weiter gehen, aber Pläne sind ja da, um sie zu ändern und so musste ich dann doch mal wieder ein paar mehr Kilometer zurücklegen…. grummel…. Eigentlich hatte mir das gemütliche Tempo der letzten Monate viel mehr Spass gemacht….. Aber was tue ich nicht alles, um meiner Funktion als Touribus gerecht zu werden. Zu dem berühmten Kreuzhügel wollten meine Beiden unbedingt, also habe ich sie dahin gebracht. Über 200.000 Kreuze in allen größen und Formen stehen auf dem Hügel.
Kreuze werden hier seit dem Mittelalter aufgestellt. Während der Soviet Zeit wurden die Kreuze vorallem für verschleppte und in Gulags umgekommene Litauer aufgestellt und so wurde der Hügel dann zum Symbol des Widerstandes und von den Soviets mehrfach geräumt. Inzwischen kann man zu jedem Anlass ein Kreuz dort aufstellen und es gibt seit ein paar Jahren sogar ein Kloster, welches sich um den Hügel kümmert. Komische Bräuche haben die Menschen ja schon manchmal….


Und dann durfte ich endlich die Grenze nach Lettland überqueren für einen schönen Platz am Fluss. Von dort war es nicht weit zum Schloss Rundale, was dann am nächsten Tag auf dem Programm stand, aber bevor es losgehen konnte kamen noch ein paar Letten vorbei. Der Erste kam zum Schwimmen und war Oldtimer Fan. Er lud meine Beiden direkt ein sein privates Museum zu besuchen. Der Zweite stellte einfach eine Schale mit dicken Bohnen auf den Tisch, ohne ein Wort Englisch zu können überzeugte er meine Beiden, dass man die sehr gut essen kann und so war das Geschäft mit den Bohnen schnell abgewickelt und das Abendessen für meine Beiden gesichert.

Dann ging es endlich zum Schloss. Kurz vor dem Schloss sahen meine Beiden dann auch das Schild von dem Automuseum…. Vielleicht ist es doch einen Besuch wert?
Das Schloss Rundale selbst ist über die letzten 50 Jahre aufwendig restauriert worden und so konnte man viele der alten Prunkräume und den Französischen Garten bewundern. So ganz mein Fall ist das ja nicht, aber meine Beiden waren ziemlich angetan. Zum Glück durfte ich dann auf dem Rückweg zum Schlafplatz doch noch einen stopp bei dem Privaten Automuseum einlegen. Wirklich beeindruckend, was über den kleinen Hof in jedem Winkel so zu entdecken war. Aber ich war dann doch recht froh, dass meine Beiden mit mir noch um die Welt ziehen, denn für so ein Museum bin ich definitiv noch zu jung….. grins….
Am Nachmittag bekam ich dann mein Schnäppschen und meine Beiden konnten sich im Fluss etwas abkühlen und sich mit Bohnen pulen beschäftigen, so wie es sich für den Ausklang zu einem perfekten Tag eben gehört.

Dann ging es weiter. Vorbei an einer Deutsch-Ordensburg, die meine Beiden aber nicht genauer anschauen wollten…. Irgendwann werden es vielleicht doch zu viele Burgen….. Zum nächsten Automuseum…. Ist ja auch viel besser! Dieses war dann schon in den Aussenbezirken von Riga. Nach Riga rein ging es aber nicht. Da haben meine Beiden gerade noch rechtzeitig die Kurve gekriegt…. Ihr wisst ja: Ich habs nicht so mit Stadtjungeln.

Dafür sollte es ein bisschen Diesel für mich geben, aber die Beiden müssen ja unbedingt die billigste Tankstelle weit und breit anfahren….grummel….. Ich habe wirklich keine Lust auf den billigen Mist!…. deswegen entscheide ich mal wieder: hier geht’s nicht weiter und lasse meinen Motor nicht anspringen, als die Zapfsäule frei wird. Naja, mit ein bisschen gut zureden bin ich dann doch gnädig und die Tankstelle war zwar billig, aber der Sprit dann doch ganz ok… also will ich mal nicht so sein. Als Entschädigung darf ich zum Ende des Tages dann noch mal wieder über Waschbrettpisten (obwohl ich die Waschbrettpisten eigentlich auch garnicht mag… da tut mir hinterher immer jede Schraube einzeln weh)….. und Waldwege (schon mehr mein Geschmack) mal wieder an einen schönen See. Zwei Nächte durfte ich hier verschnaufen, während meine Beiden es sich gemütlich gemacht haben. Dies sollte dann auch schon der letzte Stopp in Lettland sein, zumindest für diese Etappe.

Mit einer kleinen Einkaufspause in der Grenzstadt Walk und einer Mittagspause ging es direkt weiter bis nach Tartu. Immerhin sind meine Beiden dann noch so nett und gönnen mir bei den warmen Außentemperaturen doch ein paar Päuschen, denn bei dem ganzen auf und ab hier, wird mir doch ziemlich schnell warm.


In Tartu musste ich, wie in jeder Stadt auf einem doofen Parkplatz ausharren, während meine Beiden sich die nette Altstadt und das Strassenfest, zur Bewerbung Tartus als Europäische Kulturhauptstadt 2024, anschauten. Tartu ist eine sehr alte Universitätsstadt, und hat einen entsprechenden Flair. Nach einer kurzen Pause (dafür bin ich dann wieder gut genug) ging es für meine Beiden noch mal los, um im alten Pulverkeller der Stadt zu speisen. Auf dem Rückweg konnten meine Beiden es sich noch ein bisschen auf dem Strassenfest gut gehen lassen, mit Musik, Tanz und Weinchen, dann ging es zurück zu mir, so zumindest der Plan. Inzwischen waren auf dem Parkplatz auch andere Reisende aus Finnland und Deutschland angekommen, die eine gemütliche Parkplatzrunde eingeläutet hatten und so wurde es dann doch recht spät und kalt, aber wohl auch sehr nett, bis meine Beiden endlich wirklich wieder da waren.

So war es dann auch gut, dass ich gestern nicht ganz so weit fahren musste und meine Beiden sich mitten im Wald, auf einem offiziellen Picknick und Wild-Campingplatz noch mal ein bisschen ausschlafen konnten, denn heute brachte ich sie wieder zurück zur Ostsee und damit zurück auf die ursprünglich geplante Route nach Hause. Ein paar Wochen früher als vor Beginn der Reise geplant, werden meine Beiden nun in diese letzte große Etappe starten, aber so kann ich es gemütlich angehen lassen, und meine Beiden noch mal ausgiebig das Meer und hoffentlich auch ein bisschen die Sonne geniessen. Ich werde natürlich weiter berichten.

Litauen

Eigentlich wollten meine Beiden ja noch Masuren ausgiebig erkunden, aber der erste Stopp, der zu einer einsamen Halbinsel führen sollte endete in einem wilden Dauercampingplatz. So war ich mal wieder gefragt um den einzigen etwas einsameren Platz zu erreichen, musste ich über Stock und Stein auf ein Hochplateau. Später am Nachmittag gesellte sich dann „Mo“ zu mir. Sozusagen mein Ur-Ur-Enkel oder so. Mo darf dafür aber auch direkt 3 Schützlinge an ihr Ziel bringen, wobei der jüngste gerade mal 3 Monate ist.
Da sich meine Beiden mit der Besatzung von Mo direkt super verstanden haben und Mo und ich sowieso, durfte ich direkt 2 Tage in Mos Gesellschaft verbringen. Am 2. Tag ging es noch mal 20m weiter, da dort ein Platz freigeworden war und unser kleines Hochplateau von einer Jugendgruppe mit Fahrrädern und Zelten belegt wurde. Meine Beiden hatten den Platz zwar so ausgesucht, dass normale 4-Rädrige Gesellschaft eher unwahrscheinlich war, aber mit 2 Rädern und auf 2 Beinen ist man doch etwas geländefähiger als gedacht.
So wurden es 2 gemütliche Abende in denen ich allen 5en Schutz vor dem kalten Wind gewähren konnte, denn für das geplante Lagerfeuer war es dann doch zu kalt und wenn ein Mensch noch besonders klein ist, kann ich auch 5 Menschen gemütlich beherbergen. Zumindest zum Essen und Quatschen.

Dann war es Zeit von Polen Abschied zu nehmen und die Erkundung von Masuren auf den Rückweg zu verschieben. Litauen wartete. Nach einem kurzen Übernachtungstopp ging es nach Kaunas. Da die Stadt meinen Beiden überraschend gut gefiel und die Beiden sich einen Kneipen-Bummel auf die Fahnen geschrieben hatten, musste ich in der Stadt übernachten….. was für eine Nacht!…. Irgendwann um 2 oder 3 Uhr sind mir beinahe die Scheiben aus den Fenstern gefallen, da die Jugendlichen der Stadt mit Ihren Fahrzeugen zum Party machen auf den Parkplatz kamen. So war ich dann doch ziemlich froh, dass ich am nächsten Morgen direkt weiter fahren durfte.

Nächster Stopp war das Litauischen Freilichtmuseum, in dem verschiedenste Dörfer aus ganz Litauen nachgebaut waren. So konnten meine Beiden noch einen kleinen Einblick in das Leben der Menschen vor 100 Jahren bekommen. In der Nähe gab es dann auch einen ruhigen Übernachtungsplatz, direkt am Fluss „Memel“.


Dann ging es auch schon weiter nach Trakai…… Ich sagte es ja schon…. Touribus!…. Die Wasserburg von Trakai war lange der Hauptsitz der Litauischen Grossfürsten und wurde nach ihrer Zerstörung vollständig wieder aufgebaut. Zufällig wurde die Burg an diesem Wochenende auch noch von Rittern und Burgfräulein bevölkert, so dass es für meine Beiden neben dem Museum noch viel Spektakel zu sehen gab. Es war dort so gut besucht, dass jeder Einwohner, der ein bisschen Platz im Vorgarten hatte, diesen als Parkplatz anbot. …. Wenn ihr mich fragt: zu viel Trubel muss auch nicht sein.
Bei uns allen 3en war die Sehnsucht nach einem ruhigen Ort recht groß und dank der vielen Seen in der Region, war der Übernachtungsplatz zum Glück auch schnell gefunden. Auch wenn ich nicht alle 4 Räder brauchte, war es schon gut, dass ich ein bisschen mehr Luft zum Boden habe um dort hin zu kommen. Solche Plätzchen mag ich gerne…. Grins…

So gestärkt war ich dann auch bereit mich in den Großstadtdschungel zu wagen, denn meine Beiden wollten sich unbedingt noch Vilnius anschauen. Vilnius ist die Stadt der Kirchen, Jugendstil-Häuser und Künstler. So konnten meine Beiden noch mal richtig Kultur tanken und den Abend im Künstlerviertel der Stadt bei einem Bier ausklingen lassen. Dieses Viertel hat sogar seine eigenen Verfassung, die auch die Regeln vieler Reisender sein könnten, denn sie spricht den Menschen vor allem Freiheit zu: Freiheit glücklich zu sein, aber auch unglücklich zu sein. Freiheit sich an einem Ort aufzuhalten, bis hin zu Rechten von Hunden und Katzen als Begleiter der Menschen.
Zum Abschied von Vilnius stand noch ein Besuch beim Bernsteinmuseum auf dem Programm, welches meine Beiden mit vielen schönen Arbeiten und der Erkenntnis, dass man Plastik nicht von echtem Bernstein unterscheiden kann in Erinnerung bleiben wird.


Auf dem Weg raus noch einmal schnell Wäsche waschen und dann war es endlich mal wieder Zeit Wege nach meinem Geschmack zu suchen. Auf halber Strecke zwischen Vilnius und Lettland, wo es als nächstes hingehen soll, haben meine Beiden ein Gebiet entdeckt, ganz ähnlich wie Masuren, nur nicht ganz so überlaufen, in dem ich meine Stärken ausspielen kann, bzw. muss, insbesondere dann, wenn meine Beiden die Tiefe von „kleinen Pfützen“ unterschätzen. Aber für mich ist das ja kein Problem. Da fange ich eigentlich erst an mich richtig wohl zu fühlen.
Hier an diesem Plätzchen ist jetzt zumindest mal ein Tag Pause angesagt. Ganz so einsam, wie gedacht bleibt es hier nicht, dafür gab es von den frisch angekommen en Litauischen Nachbarn direkt das erste Bier zur Begrüßung. So kann man einen ruhigen Tag dann auch gebührend geniessen

Über Danzig nach Malborg

Von Gdynia ging es noch ein bisschen weiter an der Küste entlang über den Kurort Sopot, wo ich mich mal wieder durch einige Gassen quälen musste, damit meine Beiden es nicht zu weit zum Strand hatten, bis nach Danzig.

Hier konnte ich dann etwas verschnaufen, während meine Beiden sich die Stadt anschauten. Bis zum Wochenende war diese erstaunlich leer, und dafür um so schöner. Der Stellplatz war ganz nett, direkt am Wasser mit Zugang zur Dusche des Yachthafens.

Was mir aber noch besser gefiel, war dass ich endlich den Öl Wechsel bekommen sollte, der mir schon in Schweden versprochen wurde. Eine Werkstatt war auch schnell gefunden. Auch wenn sie wohl schon länger kein Fahrzeug im besten Alter mehr gesehen haben…. Es werden halt immer nur die Jungspunde gepflegt….. pffffft….. Mit Google-Translate, Händen und Füßen und einem Kunden der etwas Englisch sprach konnten meine Beiden dann auch verständlich machen, dass ich nicht nur frisches Öl bekommen sollte, sondern auch einen neuen Dieselfilter, sowie eine Grundreinigung von Luftfilter und Wasserabscheider. Nur mein Getriebeöl wollten sie dann nicht wechseln.

Eigentlich erstaunlich, dass es nur einen kleinen Schritt neben der Touristenzone, in der jeder Englisch spricht und sehr viele Deutsch sprechen, sprachlich dann doch so schwierig wurde, aber meine Beiden sind ja inzwischen ganz gut trainiert.

Da ich das Getriebeöl erst in Azerbaijan neu bekommen hatte und ich sowieso dafür sorge, dass es regelmäßig erneuert wird, will ich da mal nicht so sein….. Ein bisschen kann ich mich bis zum Getriebeöl-Wechsel noch gedulden.

Die Werkstatt war mit fast allem recht gründlich und so konnte ich mich nach dem obligatorischen Fotos mit einem kleinen Feuerwerk: Puff, Knall und schwarzem Rauch dann auch gebührend verabschieden, denn Bremsenreiniger-Reste im Luftfilter schmecken mir halt ganz besonders gut…. grins…..

Nach der Spa-Behandlung musste ich mir noch ein bisschen die Reifen plattstehen, denn meine Beide zog es wieder die Stadt, die Atmosphäre ist dort einfach so toll…. Ja ja und unser einen lässt man dann einfach mit sich selbst alleine….. Da bleibt mir etwas Zeit um mir ein bisschen was zur Abwechslung einfallen zu lassen…. Dazu aber später mehr.

Am nächsten Tag stand dann noch ein Termin auf dem Programm von meinen Beiden, der einen tiefen Eindruck hinterlassen sollte: der Besuch im Weltkriegsmuseum. Modern und multimedial sehr aufwendig aufbereitet wurden sie über 3,5 Stunden lang durch alle Aspekte des Krieges geführt, lernten, dass nicht nur die Deutschen in Polen gewütet haben, sondern auch die Russen, und was für Helden die Polen doch sind… zugegeben: ein wenig patriotisch war das Museum wohl schon, aber gleichzeitig auch sehr differenziert und weniger „deutschlastig“ als erwartet. Trotzdem bleibt eine Frage noch lange hängen: wie kann es sein, dass meine Beiden heute so freundlich und fröhlich in diesem Land willkommen geheißen werden?

So ein Besuch muss erstmal verdaut werden, und dafür biete ich dann wieder genau den richtigen Schutzraum, zum aufwärmen und um ein spätes Mittagessen einzunehmen. Danach geht es dann noch auf eine letzte Runde durch die Stadt, die aktuelle, schöne, leichte Atmosphäre aufsaugen, denn schon am nächsten Tag geht es weiter, auch hier ist wieder ein Programmpunkt, der viel nachdenkliches mit sich bringt: Ich darf meine Beiden zum KZ Stutthof bringen. Auch wenn ich mir längst was ausgeheckt habe, wie ich meine Langeweile vertreiben kann, hier ist nicht der Platz dafür.

Wegen diesem komischen Virus ist nicht alles zugänglich, trotzdem (oder gerade deswegen?) kehren meine Beiden in einer ähnlichen Stimmung, wie am Vortag wieder zurück. Auch hier hängt wieder die Frage im Raum: ist es möglich, das was hier Menschen mit Menschen gemacht haben überhaupt jemals zu vergeben? Geschweige denn zu vergessen? Auf einmal macht das Konzept der „Erbschuld der Deutschen“ doch irgendwie Sinn, denn hier in der Fremde vertreten meine Beiden ja irgendwie auch immer ein bisschen ihr Heimatland und damit wohl auch seine Geschichte.

Hungrig sind meine Beiden nach dem Besuch irgendwie nicht, obwohl es schon längst Mittagszeit ist. Auf dem Parkplatz von Stutthof, diesem Ort des Gedenkens wollen sie lieber keine Mittagspause machen und so geht es erstmal bis zum Schlafplatz nach Malborg weiter.

Hier, mit ein bisschen Abstand und im Schatten der größten Mittelalterlichen-Backsteinburg der Welt – die Marienburg des Deutschen Ordens – gibt es nicht nur was zu essen und abends ein paar Biere im Mittelalterlichen Biergarten, nein, es relativiert sich auch das eine oder andere gesehene, zumindest ein bisschen. Denn das Mittelalter war auch eine grausame Zeit, in der viel Unrecht, Sklaverei und Morde geschehen sind, doch verbindet man die Burgen heute nicht mehr primär damit. So kann vielleicht die Zeit auch die Wunden des 2. Weltkriegs und der Konzentrationslager irgendwann heilen, so ist dann auch -irgendwann- Vergebung möglich und gegen das Vergessen gibt es viele Orte der Erinnerung, die auch kommenden Generationen hoffentlich den Weg in eine friedliche Zukunft weisen.

Zum Abschluss des Sightseeing Marathons stand dann heute morgen noch ein Besuch der Burg an – reinkommen war nur mit Fiebermessen erlaubt. So sind meine Beiden dann endgültig wieder in der Gegenwart und der aktuellen Krise angekommen, die nach allem Gesehenem der letzten Tage irgendwie nicht mehr ganz so schlimm wirkt.

Nun sind ein paar ruhige Tage in der Natur angesagt. Ich darf meine Beiden nach Masuren bringen, der letzte Stopp in Polen, bevor es dann ins Baltikum weiter geht. Die Sonne scheint, die Stimmung ist bestens, nur muss Patrick natürlich wieder fahren, der Arme…. und da ich nun seit ein paar Tagen nur auf die Gelegenheit gewartet habe, um für ein bisschen Abwechslung zu sorgen ist ein Stau kurz hinter Malborg die perfekte Gelegenheit: Sobald der Motor abgeschaltet wird höre ich noch ein kurzes Flüstern von Patrick „jetzt Gandalf“….. oder habe ich mir das nur eingebildet? Egal: ich bleibe jetzt hier stehen, und fahre erstmal nicht mehr weiter. Nach mehreren Startversuchen ist den Beiden dann aber doch recht schnell klar woran es liegt: der neue Dieselfilter ist nicht gut genug entlüftet und so werde ich dann eben mal schnell im Stau komplett durch entlüftet. 10min später, der Stau beginnt langsam sich auf zu lösen, bin ich dann doch mal gnädig und lasse mich wieder starten. Die Beiden haben doch ein bisschen was von Emre in der Türkei gelernt, so dass auch solche Spässe fast schon langweilig werden. Die restlichen 100km muss Inken fahren, da ich Patrick netterweise ein bisschen was von meinem Öl für seine Finger abgegeben habe. So kann er sich auch mal ein bisschen ausruhen. Ich bringe meine Beiden dann ganz brav zum heutigen Schlafplatz, in Erinnerung an Schweden, und zum Einstieg in Masuren, darf es mal wieder ein einsamer See sein. Nur ein ausgefahrene Feldweg führt hierhin. Man könnte es fast schon als Offroad bezeichnen. Keine anderen Touristen werden hier auftauchen. Ein Platz ganz nach meinem Geschmack. Belohnt werden meine Beiden dann mit einem wundervollen Sonnenuntergang.

Dobry dzien Polen!

Nun will ich Euch nicht länger auf die Folter spannen. Eine letzte Nacht gab es noch in Schweden und dann wurde ich vom großen Schiff verschluckt. Ganz unten im Bauch, alleine im Dunkeln musste ich warten, bis das schaukeln aufgehört hat.

Ein bisschen habe ich dann mein neues Revier natürlich auch markiert. Das haben meine Beiden davon, wenn sie mich alleine lassen und mir langweilig wird.

Raus fahren war dann auch nicht ganz so einfach, da ich der Erste in der Reihe war, aber vor mir nicht genug Platz….. ich hab doch einen etwas größeren Wendekreis. Also: erst die Reihe hinter mir leeren, ein bisschen vor und zurück und dann noch die steile Rampe hoch…… oh je, die ist mir im normalen ersten Gang dann doch zu steil, vor allem, wenn die vor mir einfach stehen bleiben….. Zum Glück habe ich die Untersetzung….. und ich tue ja alles um endlich wieder in Freiheit und festen Boden unter den Reifen zu spüren!

Angekommen bin ich nun in Polen. Ganz dicht an der deutschen Grenze, aber eben nicht in Deutschland, denn da wollen meine Beiden noch eine ganze Weile nicht wieder hin. Und so geht es weiter in meine Lieblingsrichtung: nach Osten!

Aber erst werden noch ein paar wichtige Dinge erledigt: z.B. Masken für meine Beiden, denn hier gelten andere Regeln und in Schweden war es nicht möglich Masken aufzutreiben. Dummerweise hat das Schiff mich auf der falschen Seite der Swine ausgespuckt. Über den Fluss rüber kommt man nur wieder mit einem Schiff, und das nur als Einheimischer oder zu Fuß. So bleibt mir die 2. Fähre an dem Tag erspart und meine Beiden entschließen erstmal den Strand zu erkunden und den Abend etwas gemütlicher zu gestalten.

Am nächsten Morgen geht es dann zurück zur Fluß-Fähre, wo ich auf meine Beiden warten soll, während sie sich um die Besorgungen kümmern. Die Parkplätze sind eng, und ich vergesse für einen Moment, dass es ja gerade „in“ ist auf Abstand zu gehen…. Ooopps….. Da habe ich doch mit meinem Hintermann ein bisschen gekuschelt….. Dabei ist der nicht mal wirklich nett, oder irgendwie sonst besonders…. Dumm gelaufen. Da niemand da ist, bekomme ich erstmal einen richtigen Parkplatz, auf dem ich auch genug Platz habe und meine Beiden suchen die Polizei, um mich zu melden….sorry…… wollte Euch eigentlich keine Umstände machen…….. Die ist nicht so leicht zu finden…. Also geht es doch erstmal Masken kaufen und dann muss ich mitkommen um mich zu stellen.

Mit meiner Hilfe sind die Polizisten dann auch endlich gefunden und fragen 3 mal nach, ob meine Beide sicher sind, dass sie die Verursacher sind….. Es ist hier anscheinend nicht üblich sich selber zu melden….. Aber das Gewissen ist beruhigt und es kann weiter gehen: Party-Strand und Sommerurlaubsfeeling ist angesagt, und das finden meine Beiden hier an jedem Ort.

Zum schlafen geht es aber dann zum Glück doch erstmal wieder ins Grüne. Ich bin ja noch etwas skeptisch, ob der neue Reisemodus wirklich so spaßig wird….. ich muss mich wohl doch noch an den Stadtdjungel gewöhnen.

Am nächsten Tag können meine Beiden dann noch eine Wanderung zu den Wisenten machen, und eine 2. zu den ehemaligen Befestigungsanlagen. Überhaupt war die gesamte Ostseeküste in dieser Region schwer befestigt, was man noch heute überall sehen kann. Dann geht es noch mit einem weiteren Zwischenstopp und einer 3. kurzen Wanderung an dem Tag weiter zum nächsten Übernachtungsplatz.

Hier stehen schon ein paar andere Reisende und der Strand ist nicht weit, das Wetter perfekt. So darf ich mich hier 2 Nächte ausruhen und meine Beiden legen einen Strandtag ein. Am 2. Tag kommt dann noch „Manfred“ vorbei. Er ist sowas wie mein Urgroß-Onkel und etwas größer als ich. Dementsprechend hat er auch ein paar Probleme einen schönen Platz zum Schlafen zu finden, aber es klappt am Ende doch. Ein perfekter Tag also auch für mich, den ich in netter Gesellschaft verbringen darf.

Da meine Beiden nach der langen, gemütlichen Zeit in Schweden doch wieder unternehmungslustiger werden, bekomme ich auch wieder mehr Auslauf. Nach 2 Nächten geht es schon weiter, mit einem Stopp in Kolberg und der Strandpromenade dort (da lasse ich meine Beiden lieber alleine hin laufen), geht es noch einmal zu einem einsamen Übernachtungsplatz an einem See. Ein bisschen Ruhe zwischen dem Stadtrubel tut dann auch ganz gut und der Weg dorthin ist sehr nach meinem Geschmack.

Nach der erholsamen Nacht darf ich mich dann mal wieder ein bisschen austoben: Es geht in die Dünen, um im Sand zu spielen. Endlich kann ich mal zeigen, was ich kann, denn trotz etwas Skepsis von meinen Beiden, brauche ich selbstverständlich weder Sandbleche noch irgendwelche anderen Hilfsmittel wie „Luft aus den Reifen“…… ich bin ein Wüstenauto und komme bestens mit dem Sand zurecht!

Am Ende des Tages geht es dann auf eine große Anhöhe hinauf, mit traumhaftem Blick auf die Ostsee. Den Sonnenuntergang genießen meine Beiden trotzdem am Meer und nicht bei mir, naja, auch hier habe ich nette Gesellschaft und kann den jungen wilden beim Austoben in den Steilhängen zusehen. Das ist dann doch nix für mich. Der perfekte Ausklang, für ein paar Tage „Sommer-Sonne-Strand“ und damit auch der Abschied von den polnischen Ostsee-Stränden.

Schon am „offroad Tag“ hat es immer wieder geregnet. Am nächsten Morgen kippt das Wetter endgültig, es wird kalt und windig. Trotz starkem Wind bekomme ich noch ein paar Streicheleinheiten und mein Schnäppschen um mich für die stürmische Fahrt zu stärken. Denn ich werde mich ein bisschen mehr verausgaben müssen. Zum ersten Mal seit über 2 Monaten darf ich mehr als 100km an einem Tag fahren – es werden sogar 170km. Genauso muss ich zum ersten Mal seit langem wieder mitten in einer Stadt übernachten…. Ich glaube, es ist sogar das erste Mal seit Azerbaijan (wenn man die Zeit in Astrakhan, wo ich mich auf dem Hotel-Hof versteckt habe mal nicht mitzählt)…. Nun ja, was tue ich nicht alles für meine Beiden.

Gdynia ist eine Hafenstadt und so gibt es hier, neben der Strandpromenade und dem georgischen Bäcker vor allem Schiffe zu sehen. Insbesondere die „Dar Pomorza“ hat es meinen Beiden angetan. Bei dem Motor, werde auch ich ein bisschen neidisch….. Etwas größer als meiner ist er ja schon. Dafür biete ich meiner Crew deutlich bequemere Übernachtungsmöglichkeiten. Betreten darf man die Dar Pomorza nur mit Mundschutz, frisch desinfizieren Händen und als „Eintrittskarten“ gibt es Handschuhe. Das ist also ein bisschen ähnlich wie bei mir. Handschuhe tragen meine Beiden auch oft, da sie sagen, dass ich so ölig bin….. kann ich echt nicht verstehen….. Ob die Dar Pomorza auch so ölig ist, dass man sich dort schützen muss?….

Trolle und Schären zum Abschied

Also, ich muss mich ja mal wieder ein bisschen beschweren, da wandern die Beiden einfach durch einen Troll- und Zauberwald und nehmen mich – Gandalf, den großen Magier – nicht mit!….. Grumpf…. Da haben die Beiden aber echt Glück gehabt, dass die Zauberbäume sie nicht verschlungen haben, obwohl ich sie nicht beschützen konnte.

Zur Entschädigung durfte ich dann aber noch ein laaanges Stück Schotterpisten fahren. Gut 40km, direkt am Meer entlang. Mit einem kurzen Zwischenstopp an einer „Schleifmühle“, mit der Kalksteinplatten geschliffen wurden ging es zum Übernachtungsplatz. Einsam und alleine an den Klippen, bei Sturm und Wind, sollte dies die letzte Nacht auf Öland sein.

Einsam und alleine, dachten meine Beiden,….. Bis ich auf einmal fast umgeschubst wurde…hey….. das der Wind mich durchschüttelt kenne ich ja, aber das war anders, denn es klopfte auch noch…. Der Blick aus dem Fenster verriet meinen Beiden dann, dass ein paar Kühe meine Sandbleche mit einem Kratzbaum verwechselt haben…. Wofür ich nicht alles herhalten muss…. Schneemobil, Wandertaxi, Touribus und jetzt auch noch Kratzbaum?………. Aber mit mir kann man es ja machen….

Am nächsten Tag durfte ich dann die letzten Kilometer auf der Schotterpisten fahren und meine Beide noch nach Bornholm und zum Landsitz der Königsfamilie bringen und dann war die Zeit reif, Öland zu verlassen.

Nur kurz über die Brücke, denn Kalmar ist auch sehenswert…. Ich sags ja: Touribus….. Wäsche waschen war dann auch mal wieder dran und als Highlight gab es dann für meine Beiden sogar noch Pizza.

Wo wir beim Thema Touribus sind: Es gibt 3 Dinge, die man in Schweden gesehen haben muss: Rentiere (einmal kurz aus dem Augenwinkel beim vorbeifahren zählt doch oder?), Elche (einmal kurz aus dem Augenwinkel beim vorbeifahren und im Elchpark…. Das Zählt also auch irgendwie, nicht war?) und Schären…………Moment die fehlen noch!…… also war das mein nächste Stopp. Meine Beiden hatten das eigentlich garnicht gewusst, dass es im Süden auch noch einen Schärengarten gibt, aber ich habe sie brav dorthin gebracht!!! Ein weiteres und (fast letztes) Highlight in nun mehr als 2,5 Monaten Schweden. Denn dort, zur Mittsommernacht fiel dann auch die Entscheidung, dass es Zeit für ein neues Land wird.

So wird dieser Post mein letzter aus Schweden, denn schon morgen soll es aufs Schiff gehen. Ich bin mir da noch nicht so ganz sicher, ob ich das wirklich gut finde, aber da mir auf der anderen Seite der Ostsee ein Ölwechsel versprochen wurde, werde ich mich (vielleicht) gut benehmen. Auf dem Weg zur Fähre gab es natürlich auch noch einen Stopp in Ystad, was so garnicht „Schwedisch“ ist, aber sehr nett, und gemütlich…… sagen meine Beiden….. ich musste natürlich wieder auf irgendeinem Parkplatz warten….. Nun ja, es sei ihnen verziehen, denn zum Abend durfte ich dann doch noch mal ein Stückchen weiter auf einen Platz, der mir sehr gut gefällt. Ein bisschen zu schattig für meinen Strom, aber wer braucht schon diesen neumodischen Quatsch…… aber traumhaft schön und fast „offroad“….. Zumindest mit ein bisschen Phantasie…. Und ein perfektes „letztes“ Highlight.

Nette Nachbarn gibt es hier auch, und so verbrachten meine Beiden den Nachmittag auf dem Steinstrand mit 2 anderen Weltenbummlern bei Erdbeeren und Rhabarber-crumble, die vor ein paar Jahren „unsere Tour“ gefahren sind und jetzt mit Baby, Zelt und Fahrrädern durch Schweden touren. Ein toller Ausklang zu 2,5 Monaten, die so ganz anders gekommen sind, als sie geplant waren. Durch 3 Jahreszeiten, vom Winter über den Frühling bis in den Sommer, vom hohen Norden bis an die Südküste, mit vielen tollen und wenigen nicht so tollen Begegnungen und immer wieder traumhaft schönen Plätzchen für mich und meine Beiden. Wohin es nun weiter geht? Nun, meine Beiden wissen es so ganz grob, aber es wird noch nicht verraten…..

Sommerurlaub

huihuihui…. So ein Sommerurlaub macht irgendwie auch schreibfaul. An dem Plätzchen von dem aus ich zuletzt berichtet habe durfte ich ganze 6 Nächte verschnaufen. Ganz alleine blieb ich nicht, aber die Gesellschaft war immer nett. 2 mal kamen meine Ur-Ur-Ur….. Enkel (….uff… so alt bin ich doch noch gar nicht?!) vorbei und am letzten Abend dann noch einer von VW der noch Weltreisender werden will. Seine Schützlinge waren als Backpacker vor ein paar Wochen mit dem Rückholprogramm aus Nepal zurück nach Deutschland gekommen und verlängern jetzt die Reise auf 4 Rädern (ist ja eh die bessere Art zu reisen…..grins…..). Ihr könnt Euch denken, dass das ein netter, langer Lagerfeuer Abend mit vielen Reisegeschichten wurde, aber zum Glück kenne ich die grobe Route auch so: immer gen Süden!….. dachte ich zumindest….hmmm… für die nächsten 2 Etappen passte das auch noch ganz gut.


Nach einem Großeinkauf musste ich mich von den großen Seen verabschieden und für die nächsten Nächte mit etwas kleineren Seen vorlieb nehmen. Dort merkten meine Beiden, dass die traumhaften Sommer-Sonnenuntergänge auch die Mücken anlocken und so war schnell der Plan gefasst, im nächsten größeren Ort doch noch mal Mückenschutz auf zu stocken. Mir ist das ja egal…aber wenn die Beiden was brauchen, muss ich halt mitziehen…… Also ging es nach 3 Tagen wandern zwischen den Seen der „verlorenen Boote“ und der „Schwedischen Lagerfeuer“ noch mal etwas weiter nach Süden.


In Växjö war dann Stadtdschungel angesagt….. wie ihr wisst, nicht meins, aber was tue ich nicht alles, damit meine Beiden Happy sind. Zum Glück durfte ich die Nacht etwas außerhalb verbringen, aber dann hat es mir auch gereicht und um das deutlich zu machen, musste mein Blinker mal wieder dran glauben. Dumm nur, dass sowas meine Beiden inzwischen nicht mehr aus der Ruhe bringt. So ließen sie mich ganz alleine im Regen stehen um sich das örtliche Glas und Heimatmuseum anzuschauen und dann ging es endlich wieder zurück in die Wildnis, nur nicht Richtung Süden…. Nein, nach Osten!….. Osten ist aber auch eine richtige Richtung….. ich bleibe also brav.


Am nächsten See wurden dann wieder mal Geburtstag gefeiert…… und wer feiert meinen Geburtstag?…grummel….. immer ist einer von den Beiden dran, nur ich nie!!!…. Weiter ging es dann zum Elche knuddeln, auch wenn ich draußen bleiben musste…. Im Elchpark hat man dann wohl doch mehr Chancen die scheuen Tiere zu sehen, als in freier Wildbahn.


Nach 2 weiteren kurzen Stopps am See und in Kalmar durfte ich dann endlich auf die große Brücke – das Ziel im Osten war erreicht – Die Insel Öland. Auch hier gibt es am ersten Plätzchen viele Deutsche Nachbarn, aber da der Abend dann sehr nett mit Wein und Chips endet, ist es irgendwie ok. Meine Beiden und ich auch gewöhnen sich wohl doch so langsam wieder an die Zivilisation. Noch ist die Hoffnung auf die Re-sozialisierung nicht aufgegeben. Es braucht eben nur etwas Zeit und Geduld.


Bei Sturm und Regen, waren wir dann aber auch ganz schnell wieder alleine….. Alles schön-Wetter-Camper….Das Junge Gemüse von Heute hält eben nix mehr aus……, so war dann aber Zeit das schlechte Wetter zu nutzen um meinen Blinker zu reparieren….. ja…… das war wohl zu einfach, denn der erste Verdacht von meinen Beiden war dann auch direkt die Lösung…. Da muss ich mir wohl demnächst mal spannender es einfallen lassen……. Obwohl…. Bei dem was die Beiden für den Winter geplant haben wird mir schon ganz Angst und Bange….. Da benehme ich mich lieber jetzt erstmal. Insbesondere, wenn ich weiter so viel Auslauf bekomme. Es ging bis ganz an die Südspitze von Öland, wo man Vögel und Robben beobachten kann und wieder hoch in den Norden, bei starkem Wind, mit Stopps an Windmühlen und Steinzeitgräbern, darf ich nun nicht Wandertaxi, sondern Touribus spielen um dann Nachts meine Nase in den Wind zu drehen, damit es den Beiden nicht ganz zu stark schaukelt. Dabei sind die Plätzchen direkt am Meer genau nach meinem Geschmack, wenn ich dann mal direkt auf dem Sand spielen dürfte wäre es natürlich noch besser.

Ach ja: Mücken haben meine Beiden keine mehr gesehen, seit sie den Mückenschutz gekauft haben, so konnte er bisher nicht mal richtig getestet werden…..hihihih…… sag ich doch: So einen Quatsch braucht man nicht.

Re-sozialisierung?

Es wird endlich wärmer, an manchen Tagen, im Windschatten, in der Sonne, fast schon Sommerlich. Das gefällt nicht nur mir, sondern auch meinen Beiden. So ging es nach dem 2. Wandertag im Nationalpark nur ein paar Kilometer weiter zum nächsten See um dort Sonne und Ruhe für ein paar Tage zu genießen. Bis langsam klar wurde, dass die Saison der „Namenlosen“ (auch als „Weiße Ware“ bekannt) nun wirklich angefangen hat, denn die letzte Nacht bekam ich Gesellschaft eines Namenlosen, zum Glück mit ruhiger Besatzung, aber es war das Zeichen weiter zu ziehen.

Vielleicht wird es doch für meine Beiden langsam Zeit sich wieder zu re-sozialisieren? Ich brauche mir darüber ja keine Gedanken machen, denn ich werde niemals sozialisierbar sein!…. Aber, man kann es ja mal versuchen: auf zur nächsten größeren Stadt, um dort etwas unter Menschen zu kommen…. Eine kleine Dosis reicht ja erstmal, oder? Also: schnell wieder in die Einsamkeit fliehen – auf die Insel sollte es gehen. Die Wanderwege dort waren schön… ich sag doch ich werde zum Wandertaxi!….. die Übernachtungsplätze eher nicht…. Bzw. die schönen Plätze inzwischen alle gesperrt, und so ging es dann wieder aufs Festland, ganz in der Nähe gab es einen „Geheimtipp“. Ein super Plätzchen, nur nicht mehr ganz so Geheim, ich musste mir den Platz mit 2 Namenlosen teilen. Auch diese, samt Besatzung zum Glück eher ruhige Zeitgenossen.

Am 2. Abend kamen zum traumhaften Sonnenuntergang dann Scott und 4-Beiner Shiva mit ein paar Bierchen vorbei. Scott ist Britischer Zimmermann, lebt seit vielen Jahren im nächsten Dorf und arbeitet eigentlich in Norwegen. Also hat er aktuell, dank geschlossener Grenzen, viel Zeit und ein bisschen einsam ist er wohl auch. Er ist selber auch schon viel gereist und aktuell der Schützling von…. Hmmm… nennen wir sie „Maggie“….. Maggie will lieber anonym bleiben. Dazu aber später mehr. Ein langer gemütlicher Abend voller Reiseerzählungen endete dann in einer Einladung zum Duschen und Wäsche waschen für meine Beiden für den nächsten Tag.

Am nächsten Morgen werde ich also Abreise fertig gemacht und es soll los gehen. Aber zuerst müssen meine Beiden noch die Neugier 2 deutscher Rentner befriedigen, die auch im Dorf ein Sommerhäuschen haben und mit E-Bikes auf einer kleinen Tour waren. Großelterlich wurden meine Beiden darüber aufgeklärt, dass die Schweden bezüglich des Virus doch sehr sorglos sind….. und sie dachten bisher, dass die Schweden sich schon sehr diszipliniert an die Regeln halten….. hmmmm…… lohnt sich das mit den re-sozialisierung Versuchen?

Nun aber schnell zum Wäsche waschen, sonst wird sie nicht mehr trocken bis zum Abend….. So der Plan….. Nach einer Weile warten vor der Haustür waren meine Beiden dann schon dabei ein neues Plätzchen für die Nacht zu suchen, als Scott und Shiva doch noch auftauchten. Aber bevor die Waschmaschine laufen konnte musste natürlich erstmal Maggie besichtigt werden und eine Tasse Tee getrunken werden. Maggie ist etwas größer noch als Rosi, aber sie hat nicht nur einen kleinen Dachschaden, wie ich, sondern einen ziemlich großen Dachschaden. Ihr Schützling hat es zu spät gemerkt, so dass Maggie nun ihre ganze Kabine verlieren wird und sich aktuell in einem Zustand befindet für die sie sich ein bisschen schämt…. Deswegen wird ihr echter Name auch nicht verraten. Das Warten auf die Waschmaschine und dann auf das Trocknen der Wäsche wurde mit weiteren Tassen Tee und Duschen, sowie unzähligen Reisestories überbrückt. Bis es Zeit war für Shivas Nachmittagsrunde, die den Übergang von Tee zu Bier markiert.

So war dann der Tag verflogen und sowohl Scott als auch meine Beiden, konnten sich ein bisschen an die Re-sozialisierung ran tasten. Meine Beiden entschieden dann, dass ich nur die 5km zum letzten Platz zurück fahren brauche – den Weg kannte ich ja schon – hab ihn fast alleine gefunden. Dort standen inzwischen 4(!) Namenlose, 2 davon mit Deutschen besetzt.

In einem reiste ein Ost-Deutscher-Wutbürger – dessen Tiraden waren so beschämend, dass ich am liebsten meine „D“ Plakette abgeworfen hätte, aber die haben meine Beiden leider zu gut befestigt….. Nein wirklich bereit für diese Art der Re-sozialisierung und den ganzen Spannungsbogen Deutscher Meinungen geballt an einem Tag waren meine Beiden dann doch noch nicht (zum Glück).

So durfte ich dann am nächsten Morgen endlich mal wieder ein paar Kilometer mehr rollen, zu einem Platz nach meinem Geschmack….. Hubbelpisten, alleine, am Wasser, bei traumhaftem Wetter (nur der Wind ist immer noch sehr kalt) und dann bekomme ich auch noch mein Schnäppschen und ein paar Streicheleinheiten……. So lässt sich das Leben doch wunderbar geniessen.