Re-sozialisierung?

Es wird endlich wärmer, an manchen Tagen, im Windschatten, in der Sonne, fast schon Sommerlich. Das gefällt nicht nur mir, sondern auch meinen Beiden. So ging es nach dem 2. Wandertag im Nationalpark nur ein paar Kilometer weiter zum nächsten See um dort Sonne und Ruhe für ein paar Tage zu genießen. Bis langsam klar wurde, dass die Saison der „Namenlosen“ (auch als „Weiße Ware“ bekannt) nun wirklich angefangen hat, denn die letzte Nacht bekam ich Gesellschaft eines Namenlosen, zum Glück mit ruhiger Besatzung, aber es war das Zeichen weiter zu ziehen.

Vielleicht wird es doch für meine Beiden langsam Zeit sich wieder zu re-sozialisieren? Ich brauche mir darüber ja keine Gedanken machen, denn ich werde niemals sozialisierbar sein!…. Aber, man kann es ja mal versuchen: auf zur nächsten größeren Stadt, um dort etwas unter Menschen zu kommen…. Eine kleine Dosis reicht ja erstmal, oder? Also: schnell wieder in die Einsamkeit fliehen – auf die Insel sollte es gehen. Die Wanderwege dort waren schön… ich sag doch ich werde zum Wandertaxi!….. die Übernachtungsplätze eher nicht…. Bzw. die schönen Plätze inzwischen alle gesperrt, und so ging es dann wieder aufs Festland, ganz in der Nähe gab es einen „Geheimtipp“. Ein super Plätzchen, nur nicht mehr ganz so Geheim, ich musste mir den Platz mit 2 Namenlosen teilen. Auch diese, samt Besatzung zum Glück eher ruhige Zeitgenossen.

Am 2. Abend kamen zum traumhaften Sonnenuntergang dann Scott und 4-Beiner Shiva mit ein paar Bierchen vorbei. Scott ist Britischer Zimmermann, lebt seit vielen Jahren im nächsten Dorf und arbeitet eigentlich in Norwegen. Also hat er aktuell, dank geschlossener Grenzen, viel Zeit und ein bisschen einsam ist er wohl auch. Er ist selber auch schon viel gereist und aktuell der Schützling von…. Hmmm… nennen wir sie „Maggie“….. Maggie will lieber anonym bleiben. Dazu aber später mehr. Ein langer gemütlicher Abend voller Reiseerzählungen endete dann in einer Einladung zum Duschen und Wäsche waschen für meine Beiden für den nächsten Tag.

Am nächsten Morgen werde ich also Abreise fertig gemacht und es soll los gehen. Aber zuerst müssen meine Beiden noch die Neugier 2 deutscher Rentner befriedigen, die auch im Dorf ein Sommerhäuschen haben und mit E-Bikes auf einer kleinen Tour waren. Großelterlich wurden meine Beiden darüber aufgeklärt, dass die Schweden bezüglich des Virus doch sehr sorglos sind….. und sie dachten bisher, dass die Schweden sich schon sehr diszipliniert an die Regeln halten….. hmmmm…… lohnt sich das mit den re-sozialisierung Versuchen?

Nun aber schnell zum Wäsche waschen, sonst wird sie nicht mehr trocken bis zum Abend….. So der Plan….. Nach einer Weile warten vor der Haustür waren meine Beiden dann schon dabei ein neues Plätzchen für die Nacht zu suchen, als Scott und Shiva doch noch auftauchten. Aber bevor die Waschmaschine laufen konnte musste natürlich erstmal Maggie besichtigt werden und eine Tasse Tee getrunken werden. Maggie ist etwas größer noch als Rosi, aber sie hat nicht nur einen kleinen Dachschaden, wie ich, sondern einen ziemlich großen Dachschaden. Ihr Schützling hat es zu spät gemerkt, so dass Maggie nun ihre ganze Kabine verlieren wird und sich aktuell in einem Zustand befindet für die sie sich ein bisschen schämt…. Deswegen wird ihr echter Name auch nicht verraten. Das Warten auf die Waschmaschine und dann auf das Trocknen der Wäsche wurde mit weiteren Tassen Tee und Duschen, sowie unzähligen Reisestories überbrückt. Bis es Zeit war für Shivas Nachmittagsrunde, die den Übergang von Tee zu Bier markiert.

So war dann der Tag verflogen und sowohl Scott als auch meine Beiden, konnten sich ein bisschen an die Re-sozialisierung ran tasten. Meine Beiden entschieden dann, dass ich nur die 5km zum letzten Platz zurück fahren brauche – den Weg kannte ich ja schon – hab ihn fast alleine gefunden. Dort standen inzwischen 4(!) Namenlose, 2 davon mit Deutschen besetzt.

In einem reiste ein Ost-Deutscher-Wutbürger – dessen Tiraden waren so beschämend, dass ich am liebsten meine „D“ Plakette abgeworfen hätte, aber die haben meine Beiden leider zu gut befestigt….. Nein wirklich bereit für diese Art der Re-sozialisierung und den ganzen Spannungsbogen Deutscher Meinungen geballt an einem Tag waren meine Beiden dann doch noch nicht (zum Glück).

So durfte ich dann am nächsten Morgen endlich mal wieder ein paar Kilometer mehr rollen, zu einem Platz nach meinem Geschmack….. Hubbelpisten, alleine, am Wasser, bei traumhaftem Wetter (nur der Wind ist immer noch sehr kalt) und dann bekomme ich auch noch mein Schnäppschen und ein paar Streicheleinheiten……. So lässt sich das Leben doch wunderbar geniessen.

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