Zurück nach Europa?!?

Was ist die letzten Tage passiert und wie geht es weiter? Als ich meinen letzten Bericht geschrieben habe, waren wir noch in Azerbaijan bei Sonne und Wärme an den Schlammvulkanen. Etwas Sorgenvoll beobachten meine Beiden, wie immer mehr Grenzen geschlossen wurden. Es wurde damit klar, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis meine Beiden irgendwo hängen bleiben und wir 3 nicht mehr weiter kommen. Noch gab es die Entscheidungsfreiheit zwischen Azerbaijan, mit noch ca. 20 Tagen Visum für meine beiden, und 80 Tagen für mich, oder Russland mit dann frischen 90 Tagen Visum für meine Beiden und 1 Jahr für mich. Die Entscheidung war damit recht schnell klar: Es geht zur Grenze. Da die Schlammvulkane ganz im Süden von Azerbaijan liegen ging es in einem Rutsch fast 300km bis kurz vor die Russische Grenze. Auf dem Weg gönnen meine Beiden sich und mir noch einen kurzen Zwischenstopp bei den „Candy-Cane Mountains“.

In Quba, dem letzten Ort vor der Grenze, gab es dann zum ersten Mal auf der Reise einen Besuch von der Polizei, die mir gerne erlauben wollten auf dem Übernachtungsplatz am Stadtrand zu bleiben, wenn meine Beiden etwas bezahlen würden. Da die Polizisten sehr unterschiedliche Uniformen hatten und in einem Privatfahrzeug kamen, diskutieren meine Beiden immernoch, ob die Polizisten „echt“ waren. Nun gut, aber bezahlen wollten meine Beiden nicht, also wurde ein neue Platz gesucht, mitten in der Stadt am Strassenrand. Nach den Rüttelpisten bei den Schlammvulkanen mussten auch meine Schrauben kontrolliert werden, was von den Anwohnern neugierig beobachtet wurde, aber keiner verscheucht mich und meine Beiden.

Am nächsten Morgen ging es dann zur Grenze. Dort warteten schon die Spanier, mit denen wir zusammen eingereist waren. Auf der Azerbaijanschen Seite ging alles recht langsam und streng zu, aber für meine Beiden unkompliziert. Die Spanier brauchten deutlich länger. Vor der Russischen Seite, hieß es erstmal warten, aber irgendwann kamen wir dann rein. Am ersten Check sprach einer der Grenzer sogar 2-3 Worte deutsch. Einmal nett lächeln fürs Wärmebild und dann ging es in den Grenzbereich rein. Meine Beiden wurden freundlich begrüßt und ich neugierig begutachtet. Ein erster Stopp in „Haus Nr 6“ diente nur der groben Erfassung und dann wurde es ernst. Ohne Sprache, aber mit sehr viel Geduld und Freundlichkeit wurden meine Beiden und ich durch die Formalitäten gelotst: Für die Passkontrolle und den Einresestempel wurden meine Beiden erstmal getrennt. Immer wieder wurde ich von den Grenzbeamten mit großem Grinsen beäugt. „Cool Maschina“ – meine ersten Russischen Worte….

Dann sollte es für mich 5m weiter gehen zum Zoll. Nur leider hatte Inken den Schlüssel verschmissen. Auch hier blieben die Zöllner sehr freundlich und Hilfsbereit, es wurde sogar ein Kollege losgeschickt um den 2. Schlüssel von Patrick zu hohlen. Zum Glück tauchte der Schlüssel dann aber doch wieder auf und ich konnte weiter rollen. An der Zollstation durfte Inken mich dann alleine ausräumen, da Patrick immer noch nicht von der Passkontrolle zurück war. Alles sollte raus….. erst als Inken mit dem Besteckkasten in der Hand aus meiner Küche kam, hatten die Zöllner ein einsehen, dass die Idee vielleicht doch nicht so gut war, denn der vorgesehene Platz für das Gepäck war schon lange übergelaufen. Der Rest der Kontrolle war dann doch eher oberflächlich. Patrick war inzwischen auch dazu geholt worden, um zu helfen. Zumindest konnten meine Beiden meine leere Staubox dann einmal nutzen um mich auszufegen. Zu zweit war dann auch alles recht schnell wieder eingeräumt und es ging weiter zur letzten Station, der Einfuhr. Hier füllte Inken die Papier erstmal falsch aus, aber auch das machte nix. Dann mussten sie eben noch mal ausgefüllt werden. Nachdem alles abgeschlossen war, gab es endlich den Zollstempel und den Sticker – ich darf 1 Jahr bleiben! – Geografisch sind wir damit wieder in Europa.

Hinter der Grenze gab’s dann noch eine Versicherung für mich und SIM Karten für meine Beiden und dann ging es weiter bis Derbent, wo ich eine Nacht im Schutz der alten Festung übernachten konnte. Auch hier wurde ich neugierig begutachtet und der Star in vielen Selfies. Meine Beiden konnten noch einen kleinen Bummel durch die Altstadt machen und Geld besorgen. Eigentlich sollten die Spanier auch zu dem Platz kommen, aber am Abend kam dann die Nachricht, dass sie an der Grenze abgewiesen wurden – das Visum von ihr war in einem abgelaufenen Pass. Die Spanier hängen nun in Azerbaijan und hoffen, dass die Grenze nach Georgien in 10 Tagen wirklich wieder auf macht und sie über Georgien zurück kommen.

Am nächsten Morgen ging es dann bei eisigem Wind und nach einem kurzen Besuch der Burg weiter bis nach Matchatkala. Hier durfte ich noch ein letztes Mal am Kaspischen Meer stehen, und meine Beiden erreichte die Nachricht, dass Kazakhstan alle Grenzen schließt – ein Schweizer Paar ist kurz vor Mitternacht nach langen Diskussionen gerade noch rein gekommen. Damit ist klar: ein Versuch auf der eigentlich geplanten Route weiter zu kommen wird definitiv nicht mehr funktionieren.

Früh am nächsten Morgen sollte es dann aus Dagestan raus gehen – das bedeutete mindestens 400km Strecke. Für Dagestan besteht seit dem Tchechenien Krieg vor über 20 Jahren eine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die eigentlich nicht mehr der Realität entspricht, aber dazu führt, dass die Deutsche Botschaft Hilfe in der Region ablehnen kann und die Krankenversicherung von meinen Beiden auch nicht zahlen würde. Das die Lage zwar entspannt, aber immer noch nicht ganz normal ist, hatten meine Beiden schon auf dem Weg nach Matchatkala festgestellt: Patrick hat mich nämlich an einem Polizei Checkpoint nicht angehalten, sondern war in Schrittgeschwindigkeit, wie alle anderen auch, durchgerollt. Ich wurde rausgewunken. Einmal alle Papiere kontrolliert….. mist…. wo waren die Internationalen Führerscheine doch gleich noch mal? Bisher hatten meine Beiden sowas ja nicht gebraucht. ….. Nachdem klar war, dass meine Beiden kein Russisch können und die Papiere in Ordnung waren (Führerscheine gefunden), durften sie dann doch weiter fahren, mit dem Hinweis „go to Home“…..

Auf den nächsten 400km gab es dann 5 Checkpoints, einmal lotste Google meine Beiden von der Hauptstraße weg, für 1km – 2 Checks, die Route im Navi wurde kontrolliert, und für ok befunden, und dann durfte es weiter gehen. Inzwischen waren meine Beiden aber an den Checkpoints doch recht gut eingespielt, so dass sie meist direkt weiter fahren konnten. Der letzte war dann der „Grenz-checkpoint“ zu Dagestan. Hier war es fast wie an einer richtige Grenze: Wohnraum auf machen und kontrollieren, mit den Pässen in ein Gebäude gehen zwecks Erfassung und Kontrolle, aber nur Patrick! Inken durfte, bzw. musste bei mir bleiben. Patrick wurde ein wenig „Verhört“ in dem er von der einzigen englischsprachigen Beamtin in ein nettes Gespräch über das Woher und Wohin verwickelt wurde während „Arnold Schwarznegger“ die Daten ins System eingab. Inken konnte derweil beobachten, wie ich auch hier von den Beamten neugierig beobachtet wurde und immer wieder ein breites Grinsen auf Ihre Gesichter zaubern konnte.

Zurück bei mir musste Patrick dann die Beamten noch mal unter die Motorhaube schauen lassen – vermutlich aus reiner Neugier – und bekam den Hinweis, dass ich doch ein bisschen Öl verloren hatten…… Aber nach fast 400km darf ich noch meinen „Pausenplatz“ auch ein bisschen markieren, oder?

Da die Strecke bis hierhin so gut ausgebaut war, entschieden meine Beiden bis Astrakhan durch zu fahren. Also würden aus den 400km 500km – meine bisher längste Strecke an einem Tag. Meine Beiden wussten nur nicht, dass die Strecke sich zwischendurch für gut 20km in eine Piste verwandeln würde und auch danach Baustelle an Baustelle kam. Ich bin ja sehr für Pisten zu haben, aber an so einem Tag brauchte ich dann doch irgendwann eine Pause. Da ich meine Beiden ganz gut trainiert habe, zeigte ich es ihnen dann, in dem mir immer wieder warm aber nicht zu warm wurde. Irgendwann bekam ich dann das was ich brauchte: Motoröl…. das letzte mal hatten meine Beiden den Ölstand in Baku gecheckt, das war vor fast 1000km….. ermuntert durch den ordentlichen Schluck aus der Pulle, bin ich dann doch ein treuer Gefährte.

Zum ersten Mal auf der Reise kamen meine Beiden erst im Dunkeln am Ziel an. Damit es aber nach dem langen Fahrtag nicht zu langweilig wird, entschied ich mich dafür die Lichter auszuknipsen. Also: ohne Licht durch die Stadt, bis zum Hotel, in das meine Beiden einchecken wollten, denn sie müssen sich langsam mal in Russland irgendwo registrieren. Auf den Buchungswebseiten sah das Hotel super aus und hatte viele freie Zimmer, an der Rezeption war es aber dann doch „ausgebucht“. Beim 2. Versuch in einem anderen Hotel, gab es dann zähneknirschend ein Zimmer für eine Nacht, aber keine Registrierung. Egal! Essen, Dusche, Bett waren das einzig Wichtige zu dem Zeitpunkt.

Inzwischen war auch die Weltweite Reisewarnung bei meinen Beiden angekommen und die ersten Gerüchte, dass die Auslandskrankenversicherungen nur noch 14 Tage gültig wären und alle deswegen zurück nach Hause müssen.

Am nächsten Morgen gab es dann das erste richtig russische Frühstück: Haferbrei und Pfannkuchen, ein Hotelzimmer konnte zumindest gebucht werden und meine Beiden beschlossen die Zeit bis zum Check-In zu nutzen um ein bisschen was von Astrakhan zu sehen. Hier gibt es auch einen „Kreml“ also eine Wehranlage, in der sich auch mehrere Kirchen befinden. Nächster Stopp war dann ein Cafe-Restaurant zum Mittagessen. Schnell wurden meine Beiden als Touristen entlarvt und gefragt woher sie kamen. „Aus Deutschland“ sagten sie lieber nicht…..kurze Zeit später kam der Chef des Ladens, der in sehr gutem Englisch fragte, ob meine Beiden schon eine Unterkunft hatten, denn zu dem Restaurant gehören auch Apartments und meine Beiden könnten sie nach dem Essen gerne mal anschauen. Registrieren könnte er sie natürlich auch. So war die Entscheidung dann wiedereinmal recht schnell klar: meine Beiden bleiben hier. Für mich gibt es einen sicheren Parkplatz, das Apartment hat eine Waschmaschine und vermutlich die beste Dusche der Reise bisher. Nach den, doch recht anstrengend Tagen seit dem Besuch der Schlammvulkane brauchen wir alle 3 dringend eine Pause. Die Krankenversicherung von meinen Beiden bestätigte dann auch noch mal, dass sie nicht erlischt, so dass langsam etwas Ruhe einkehren kann.

Offen bleiben die weiteren Pläne, und auch ob meine Beiden mich alleine in Russland zurück lassen müssen. Da sich die Situation weltweit täglich ändert und niemand weiß, wie es weiter geht. Die nächste und letzte noch offene Grenze ist die nach Finnland. Über 2000km entfernt, damit stehen die Chance schlecht es „noch rechtzeitig“ bis dahin zu schaffen. Spekulieren, ob sich alles in 3 Monaten beruhigt hat wird auch immer schwieriger. Das Rückholprogramm gilt noch nicht für Russland und würde auch bedeuten mich zurück zu lassen…… Hier werden jetzt die ersten Regionen abgeriegelt. Es bleibt also spannend.

Ein Kommentar zu „Zurück nach Europa?!?

  1. Hallo ihr Drei,

    wir drücken euch die Daumen, denken an euch und hoffen, dass ihr einen Weg findet.
    Wir sind gespannt, wie es weitergehen wird. Passt auf euch auf!

    Liebe Grüße,
    Tobias und Caro

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