Baku und Schlammvulkane

In 2 Etappen nach Baku haben sie gesagt…. ja, ja und dann scheuchen die Beiden mich doch an einem Tag 300km über die Berge und wundern sich, dass mir auf halber Strecke zu warm wird und ich eine Verschnaufpause brauche… aber ich mache das ja alles mit, auch den Großstadtdschungel, den ich garnicht mag…..
Am Ende des Tages stehe ich also am Kaspischen Meer und meine Beiden erkunden eine neue Welt, die mit dem Rest von Azerbaijan so garnichts zu tun hat – wir sind in Baku. Baku ist eine Jahrhunderte alte Handelsstadt, die schon im Mittelalter Erdöl gefördert hat und einer der zentralen Knotenpunkt der Seidenstrasse war. Auch heute noch lebt Baku vom Öl und Gas und zeigt diesen Reichtum auch deutlich. Baku erinnert meine Beiden an Dubai, nur dass es irgendwie nicht ganz so abgehoben ist, natürlicher und harmonischer wirkt.


Am nächsten Tag wollten meine Beiden eigentlich eine Werkstatt für mich suchen, denn nach über 8000km sollte ich als Dank für meine treuen Dienste endlich frisches Öl für meine Getriebe bekommen…. Jipiiiee!!!…. die Suche nach einer Werkstatt war dann nicht notwendig, da meine Beiden Kontakt zu einem Expat und Landrover-fan bekommen hatten, der Ihnen seinen Fahrer vorbei schicken würde. Das sollte dann also der Plan für Tag 2 in Baku werden und meine Beiden konnten in Ruhe die Altstadt von Baku unsicher machen und sich in den vielen westlichen Restaurants mal wieder „heimisches“ Essen gönnen. In der Altstadt wurde es zum ersten Mal richtig touristisch, nur ohne Touristen, so dass sich alle Tourguides auf meine Beiden stürzten um ihnen Touren zu verkaufen. Der Hinweis, dass ich(!!!!) sie überall hinbringen kann reichte dann aber zum abwimmeln aus.
Abends gab es ein Overlander-Treffen mit 4 Schweizern, die auch gerade in Baku waren. Neben leckerem Essen und Bowling spielen wurde viel über Reisepläne diskutiert. Was geht noch? Welche Grenzen sind offen? Wer versucht welche Wege? Usw…. so wurde der Abend spät und sehr nett.


Meine Beiden mussten dann am nächsten Morgen früh raus, denn der Landyfan samt Fahrer kamen zu Besuch um zu klären, wie der Tag ablaufen sollte. Danach hatten meine Beiden noch gerade genug Zeit fertig zu frühstücken, bevor Elmar (der Fahrer) wieder bei mir war und mich und meine Beiden durch den Großstadschungel lotste. Erster Stopp: der Auto-Teile Bazar, bei dem es frisches Öl zu kaufen gab, aber leider den Öl-Kühler, den ich noch bekommen sollte, nicht. Dann muss es eben so weiter gehen.
17km ging es danach quer durch die Stadt, 5 spurig im Stau…. Nein, das macht mir keinen Spaß, aber für frisches Öl mache ich alles mit…. In der Schrauberbude sollte eine Experte sein, der eventuell eine Lösung für den Öl-Kühler hat. Die Wartezeit, bis der Experte da war wurde aber nicht langweilig, da jeder in der Gegend einmal sehen wollte wie meine Beiden in mir wohnen. Sowas wie mich hatten sie noch nie gesehen! Elmar half beim übersetzen der vielen Fragen. Dann kam der Experte und wollte natürlich erstmal eine Probefahrt mit mir machen. Das Ergebnis: mir geht es gut, alles fit….. das hätte ich den Beiden ja auch so sagen können!….. Einen Öl-Kühler hat auch er nicht und sollten meine Beiden, seiner Meinung nach auch nicht einbauen….. das sage ich ja schon lange! Hoffentlich hören sie jetzt endlich auf mit dem Quatsch….
Dann durfte ich endlich auf die Öl-Grube und den ganzen alten Dreck mal los werden. Diesmal mussten meine Beiden selbst Hand anlegen. Zwei neue Dichtungen gab’s dann auch noch für mich ich, die glauben immer noch, dass die mich dicht kriegen….. oh man…. Aber ich will mich ja nicht beschweren, wenn ich frisches Öl kriege….. grins.


Dann ging es 17km zurück durch den Feierabend Verkehr zu meinem Schlafplatz, wo ich neue Nachbarn bekommen habe: die beiden Spanier, die wir schon von der Grenze kannten und ein Italiener, der von einem Schweizer gefahren wird.
Nach dem langen Tag, Kreuz und quer durch die Stadt, mussten meine Beiden aber erstmal ein bisschen pausieren und einen gemütlichen Spaziergang an der Strandpromenade machen, bevor sie sich zu den anderen gesellten. Der Abend endete dann mit einer Wagenburg und jeder holte die Schnapsreste aus den vorangegangen Ländern aus den Verstecken. Auch hier war wieder das Haupt-Thema: wie geht es weiter? Der Italiener-Schweizer war bereits auf dem Rückweg, kam aber mit seinem Iranischen Stempel im Pass nicht nach Georgien rein…. Die Spanier wollen auch nach Russland und Kazakhstan weiter, wir werden uns vermutlich wieder treffen.


Einen letzten, gemütlich Tag in Baku gab es gestern zur Erholung und um noch eine Sehenswürdigkeit anzuschauen: Den Park der Märtyrer. Hier liegen die Menschen begraben, die bei 2 Massakern ums Leben gekommen sind: 1990, wenige Tage vor der Unabhängigkeit Azerbaijans, von den Sowiets umgebracht, um den Unabhängigkeitswillen zu brechen – was aber dann eher der letzte Tropfen im Fass war, um wirklich unabhängig zu werden, sowie 1992 von den Armeniern, mit denen sich Azerbaijan bis heute im Krieg befindet.
Der Park, die Gräber und das Monument mit der ewigen Flamme zeugen von einem tiefen Respekt, diesen Menschen gegenüber, durch seine Größe und gleichzeitige Schlichtheit, so dass meine Beiden tief beeindruckt diesen Ort wieder verlassen haben und erstmal Pizza essen mussten…..


Dann war es Zeit Baku zu verlassen. Heute ging es zu den Schlammvulkanen und ich durfte endlich mal wieder auf artgerechten Straßen fahren. Die Schlammvulkane blubber Schlamm aus ihrem inneren, angetrieben von Gas, was man auch anzünden kann. Sie blubbern ununterbrochen gemütlich vor sich hin, während ich Richtung Sonnenuntergang schaue und Euch noch einen kleinen Hinweis geben mag: Auf der Seite „der große Plan“ gibt es jetzt ein Update zur aktuellen Situation und einen Link zu meiner bisherigen Route auf Polarsteps. Dort könnt ihr auch ab sofort meistens sehen, wo ich gerade bin und wie sich die Route verändert.

Ein Kommentar zu „Baku und Schlammvulkane

  1. Schön, dass Ihr gut in Baku angekommen seid. Lese schon ne ganze Weile mit und freue mich für Euch. Tolle Bilder! Weiterhin viel Spaß (ohne Ö-Kühler)!! Natürlich auch liebe Grüße an Deine Beiden 🙂

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