Salam aleikum Azerbaijan

Einen letzten wunderbaren Abend und Sonnenuntergang durfte ich in Georgien mit meinen Beiden erleben und dann ging es entlang des Kaukasus zur Grenze. Auf der georgischen Seite musste Patrick wieder aussteigen und ohne mich zu Fuß rüber, aber die Grenze war so klein, dass meine Beiden sich die ganze Zeit unterhalten konnten. Dann hieß es: anstehen im Niemandsland. Irgendwann waren wir 3 dann an der Reihe und die China Visa von meinen Beiden wurden kritisch beäugt bevor ich überhaupt in den Haupt-Grenzbereich weiter rollen durfte. Zum Glück waren die Visa nicht genutzt, sonst hätte ich ohne meine Beiden weiter fahren müssen…. grins….. in der Grenzstation wurde ich geparkt und hab so komisches Zeugs auf die Reifen bekommen…..Desinfektionsmittel…. also ob ich nicht gerade erst frisch geputzt wurde…. Sehen die denn nicht wie sauber ich bin?


Meine Beiden bekamen Ihre Stempel und ich durfte noch mal ein paar Meter weiter zum Zoll. Dort versuchten dann 2 Zollbeamte gleichzeitig in meiner Küche die Schubladen und Schränke aufzumachen…. Was sie relativ schnell wieder aufgaben… ich bin doch ein tolles Reiseauto…. Die Hauptstaufächer werden garnicht als solche wahr genommen…… Meine Beiden mussten noch zum Fiebermessen ins Gebäude – 3 mal mit 2 verschiedenen Geräten um ganz sicher zu sein – erklären, dass sie keine Drohne dabei haben und Steuern und Versicherung für mich bezahlen und dann durften wir weiter.
Erster Zwischenstopp in der ersten Stadt: Geld holen, Mittagessen und der vergebliche Versuch SIM Karten zu bekommen…. Ich finde ja dieses 5m fahren und dann wieder am nächsten Laden stoppen immer etwas langweilig, aber was tue ich nicht alles für meine Beiden……

Zum Schlafen ging es dann noch ein Städtchen weiter, auf sehr glatten Straßen ….. laaaaangweilig…… mit viel weniger Verkehr als in Georgien…..das ist schon eher mein Geschmack….. Der Schlafplatz sollte ein Parkplatz neben einem kleinen alten Kaffee sein, vielleicht war es auch mal eine Garage…., wo meine Beiden sofort auf einen Tee eingeladen wurden. Überhaupt scheinen sich die Menschen hier viel mehr für mich und meine Beiden zu interessieren, auch wenn sie kein Englisch können. So wird dann eben über die Namen deutscher Fußball Stars kommuniziert. Die meine Beiden dann wiederum nicht kennen…… wie peinlich….. So eine Bildungslücke…… Zum Ruf des Muezzins schlafen meine Beiden dann schließlich ein…. Ich bin wieder in einem Islamischen Land.


Am nächsten Morgen ging es dann erstmal wieder zurück Richtung Grenze…. Moment mal! Das ist die falsche Richtung!….. sowas passiert eben, wenn man den Reiseführer zu spät liest…. Einen Wasserfall wollten sie sich noch anschauen. Nun gut, ich mache ja (fast) alles mit…. Also 10km zurück und dann weg von der Hauptstraße, wo die Wege auch wieder mehr nach meinem Geschmack sind. Es geht durch kleine Dörfer entlang eines großen, fast ausgetrocknet Flusses….. fällt Euch auf: hier liegt überhaupt kein Müll rum! Die Häuser sind schick, aber durch hohe Mauern von der Außenwelt abgetrennt. Es scheint weder Moscheen noch Kirchen zu geben.
Irgendwann endet die Straße an einem Fluss…. Äh…. Fast…. Dahinter geht es nämlich im Flussbett des Hauptflusses weiter….. Jipieee endlich offroad!!!!…… 3 oder 4km geht es das Flussbett und Ufer weiter hinauf, immer wieder steigt Inken aus um zu schauen, ob ich noch weiter komme. Natürlich komme ich weiter!….. pfffft…ihr könnt mir ruhig ein bisschen was zutrauen!… bis dann irgendwann wirklich Schluss ist und ich wenden muss….. zugegeben….. Ein bisschen Anstrengend war das alles für mich schon. Bin halt doch nicht mehr der Jüngste und so verschaffen ich mir eine kleine Verschnaufpause: Patrick würgt den Motor ab, weil meine Reifen beim Wenden direkt hinter größere Steine gerollt sind und ich doch etwas mehr Kraft brauche um da wieder weg zu kommen. Perfekt….. ich weigere mich wieder zu starten…… 2 Arbeiter, die hier -mitten im Nichts – auf einen LKW warten, der Steine aus dem Flussbett holt, kommen sofort mit gezückten Handys um Hilfe zu holen….. mich von hier abschleppen zu lassen, wäre dann doch ein bisschen peinlich und ich starte wieder, bevor es zu spät ist.


Meine Beiden finden einen netten Parkplatz für mich und starten von da aus zu Fuß in Richtung Wasserfall. Auf halben Wege werden sie von einem älteren Mann eingeholt, der sich als Ranger des Nationalparks rausstellt und beide in das – eigentlich gesperrte – Nationalparkgebiet auf seine Hütte zum Chai einlädt. Er ist nur einer von 3en und nicht der Chef. Der Chef ist eher nicht so begeistert, dass meine Beiden dort auftauchen, gewährt dann aber doch die Gastfreundschaft.

Auf Russisch und mit viel Händen und Füßen erfahren meine Beiden, dass in der Hütte bis zu 4 Menschen wohnen und sich um den Nationalpark kümmern und auch, dass der Weg zum Wasserfall durch einen Erdrutsch versperrt ist und sie nicht weiter kommen. So bleibt nix anderes übrig als den Tee zu trinken und wieder zu mir zurück zu kommen. Ist auch besser so. Mir wurde auch schon langsam langweilig….. den warmen Nachmittag genießen meine Beiden dann draußen und entscheiden, dass ich mich erst am nächsten Tag wieder bewegen muss.


Nach der erholsamen Nacht in wunderschöner Natur springe ich auch am nächsten Morgen ganz brav an und bringe meine Beiden bis nach Sheki. Der ersten touristischen Stadt in Azerbaijan. Hier bekomme ich mal wieder einen Parkplatz in einem Hostel. Am ersten Nachmittag machen meine Beiden die Stadt unsicher und weil mir langweilig ist, verzierte ich den Hof ein bisschen mit meinem Öl…. Hab ne neue Stelle gefunden, wo ich Öl rausdrücken kann und die alt bekannten Stellen bleiben natürlich weiter verfügbar, vorallem, wenn ich auf schlechten Wegen alle Schrauben etwas losrütteln konnte…… jippieee!!!…. meine Beiden besuchen in der Zeit eine der 3 alten Carvanseraien und den „Winterpalast“.

Sheki ist im 18. Jahrhundert hier aufgebaut worden, nachdem die ursprüngliche Stadt vom Kish Fluss vernichtet wurde. So sind viele Gebäude aus der selben Zeit. Paläste wie den „Winterpalast“ gab es insgesamt 40 über die Stadt verteilt, in der der Khan mit seinen Frauen gewohnt hat. Jeder neue Khan ist in einen neuen Palast gezogen, manchmal wurden auch die Frauen oder andere Verwandten auf diese Paläste aufgeteilt. Das wirklich faszinierende an den Palästen ist allerdings, dass sie ohne Nägel und Schrauben gebaut wurden…. Könnt ihr Euch das vorstellen?….. ich nicht!…. mit meinen Schrauben zu spielen macht viel zu viel Spass….


Die Mosaikfenster sind wohl das spannenste: ohne Kleber oder Nägel einfach zusammen gesetzt und wenn ein bisschen Wind geht fangen sie an leichte Musik zu spielen. Meine Beiden kommen beeindruckt wieder zurück.


Der nächste Tag ist dem gewidmet, warum meine Beiden Hostels ansteuern: Duschen, Wäschewaschen und ich bekomme auch wieder einen gründlichen Check. Die wollen echt versuchen meine lockeren Schrauben fest zu ziehen….. Ihr wisst doch, dass das nicht klappt…… außerdem wollen die Beiden wissen, warum ich im Flussbett eine Pause gebraucht habe. Ich bin so nett und lasse ein paar Tropfen Diesel auf den Boden fallen, um die Diagnose zu vereinfachen. Nach ein bisschen schrauben, putzen und Motor starten, wissen sie jetzt zumindest wo der Dieselgeruch, den ich Ihnen seit Tiflis als Aufgabe gegeben habe her kommt: meine neue Pumpe mag die Rappelpisten nicht und ist ein wenig undicht. Dumm nur, dass ich das so gut versteckt habe, dass die Beiden an die, vermutlich, lockeren Schrauben nicht dran kommen…. Tja….. Es geht also erstmal so weiter…. Mein neuer Öl-Fleck ist auch schnell identifiziert: die Entlüftung der Vorderachse ist komplett zu gerostet und lässt sich auch nicht ausbohren, so muss ich das Öl, was beim Allradfahren warm wurde (und nur dann), eben anderswo los werden….. Bin eben doch nicht mehr der Jüngste und irgendwie muss ich ja auch dafür sorgen, ab und zu mal was zu saufen zu kriegen….. Aber ein weiterer Schluck aus der Öl-Pulle bleibt mir bei diesem Check verwehrt…. Hab wohl nicht genug Öl abgelassen bisher…… grummel….


Einen Tag darf ich hier noch stehen bleiben, denn der Sommerpalast, den meine Beiden dann am Nachmittag noch ansteuern, hat zu und den wollen die Beiden nicht auslassen. Der Besuch hat sich auch noch mal wirklich gelohnt. Er ist ähnlich wie der Winterpalast nur deutlich opulenter dekoriert. Leider dürfen die Beiden drinnen nicht fotografieren.
Da noch etwas Zeit ist, gehen meine Beiden Fremd….Dafür muss ich nicht bergauf…. Deswegen nehme ich es meinen Beiden auch nicht zu übel…. und lassen sich von einem Kleinbus in ein Dorf in der Nähe bringen um sich dort eine der ältesten Christlichen Kirchen überhaupt anzuschauen. Gebaut wurde diese Kirche im 1. Jahrhundert auf den Ruinen eines Temples der dem Mond geweiht war. Bevor die Araber diese Region Islamisiert haben, waren hier die ersten Christlichen Gemeinden. Bis heute gibt es eine Christliche Minderheit, von der man aber noch weniger mitbekommt als von den Muslimen. Da heute auch noch Weltfrauen Tag ist – der in Azerbaijan ein Feiertag ist – wird Inken von allen Seiten gratuliert. Zudem sehen meine Beiden auf den Straßen auch deutlich mehr Frauen als die letzten Tage. Viele mit Blumen oder Geschenken in der Hand.
Eine letzte Nacht bleiben meine Beiden noch in Sheki, bevor es in 2 Etappen nach Baku weiter gehen soll.

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