Auf Wiedersehen Georgien!

Noch einmal geht es nach Tiflis rein, allerdings finden die Beiden für mich einen Parkplatz am Stadtrand und nehmen dann lieber die U-Bahn. Ich bin darüber auch ganz froh, denn der Verkehr in Tiflis macht noch weniger Spaß als der in Athen. Meine Beiden drucken Ihre E-Visa für Azerbaijan aus und geniessen dann noch einmal die Schwefelquellen von Tiflis. Diesesmal im privaten Bad – das besteht aus einer Badewanne mit warmem Schwefelwasser und einer Dusche. Ein bisschen Luxus darf ja auch mal sein. Da der Tag damit gut gefüllt ist geht es dann wieder zurück an den See und ich darf noch ein bisschen im Matsch spielen, da meine Beiden sich nicht so recht entscheiden können wo sie denn übernachten wollen.

Der Wind ist am nächsten Tag wieder ziemlich stark und so muss ich mich noch mal ein paar Meter weiter bewegen um in der 4. Nacht am See genau wieder da zu schlafen, wo ich schon die ersten 2 Nächte geschlafen habe. Dann reicht es aber auch mit Tiflis und dem Tiflis See und ich darf mich wieder ein bisschen mehr bewegen.

Nach einem kurzen Abstecher zum Monument über die Chronik von Georgien geht es über die Berge nach Khachetien, die berühmteste Wein Region des Landes…. Ihr ahnt vielleicht schon wie das enden wird, aber zuerst bin ich noch mal dran…..Geht ja schließlich nicht an, dass die Beiden im Spa waren und ich nicht!….. Offroad am See und die engen kleinen Kurven bis auf 1600m hinauf und wieder hinunter haben mir zwar eigentlich ganz gut gefallen….Zumindest nachdem die Beiden kapiert haben, dass ich mit Untersetzung eine richtige Bergziege werden kann….., aber ein bisschen mehr Spaß wollte ich dann doch noch haben…. Ein paar km vor dem Ziel werfe ich deswegen eine ganz kleine Schraube ab….. Jetzt können meine Beiden den Gangwahlhebel in alle Richtungen frei drehen… da ist das Schalten direkt viel spannender……. Grins…..

Da sowieso ein Stopp an einem der vielen Klöster geplant war und das Kloster zur Zeit nicht besichtigt werden kann, nutzen meine Beiden diesen aus, um mich einmal auseinander zu bauen, festzustellen, dass das gar nicht notwendig gewesen wäre und mich wieder zusammen zu bauen….. wie gesagt: ein bisschen Spaß muss sein…… Als Dankeschön, gebe ich den Beiden einen Schraubenzieher zurück, den ich schon vor der Abfahrt sorgsam versteckt habe, denn man weiß ja nie, wann man Werkzeug braucht…… Für die fehlende Schraube – an die man eigentlich sehr einfach dran kommt – finden die Beiden auch einen provisorischen Ersatz und so kann es dann doch noch bis zum Schlafplatz weiter gehen.

Steil Bergauf, mitten in der Stadt Telavi darf ich neben einer Kirchenruine stehen. Ein ganz kleines bisschen unheimlich ist der Platz schon, vorallem weil meine Beiden mich dann da auch noch alleine lassen um essen zu gehen – es wird das beste Essen in Georgien werden und das haben sie sich nach diesem etwas verrücktem Tag auch verdient. Wein gibt es nur in ganzen Flaschen – meine Beiden erfahren später erst warum. So kommen sie dann aber sehr zufrieden und ein wenig beduselt zurück.

Am nächsten Tag bringe ich meine Beiden dann zur Burg im Stadt-Zentrum und von dort zu einem Kloster in dem man auch Wein verköstigen kann. Doof nur, dass Sonntag ist und das Kloster nur besichtigt werden kann, aber keine Weinprobe anbietet…… phuuu….. Glück gehabt….. jeden Abend auf beduselt Schützlinge aufzupassen kann nämlich echt anstrengend werden……. Da dieses Kloster wohl noch recht aktiv ist, muss Inken zusätzlich zum Kopftuch noch einen Rock über die Lederhosen anziehen. Es reicht nicht aus, wenn alles bedeckt ist. Es muss eben mit den richtigen Kleidungsstücken bedeckt sein.

Da meine Beiden natürlich nicht durch die Weinregion fahren können, ohne eine richtige Weinprobe wird den Rest des Tages recherchiert, wo man denn sowas finden kann und schließlich bei einem kleinen Weingut ein Termin für den nächsten Abend gemacht. So darf ich diese Nacht vor dem Kloster verbringen. Die Weinprobe ist erst am nächsten Abend und das Weingut nur eine halbe Stunde entfernt. So haben meine Beiden viel Zeit und entscheiden sich für einen Abstecher zu einem weiteren Kloster. Damit reicht es dann aber auch erstmal mit den Klöstern und es geht zurück nach Telavi, wo ich endlich, endlich mal wieder sauber werde! Ich spiele ja gerne im Matsch, aber ein bisschen hübsch möchte ich auch ab und zu mal sein. Vor allem das gemeine Salz, was ich seit der Türkei überall noch kleben habe, darf mal wieder abgespült werden….. Sehe ich nicht hübsch aus, so frisch gewaschen?

Die Vorräte wollen auch noch mal wieder aufgestockt werden, was am besten bei einem ausführlichen Bummel über den Markt geht. Ein bisschen trödeln meine Beiden dann noch durch das Städtchen und dann ist es irgendwann Zeit das Weingut anzusteuern.

Da Google Maps die Strassen dahin nicht kennt, komme ich auch auf meine Kosten: ausgefahrene Feldwege bringen uns dann doch irgendwie bis zum Ziel. Das Weingut wird von mehreren Hunden und einem älteren „Care-Taker“ bewacht, der mich und meine Beiden dann auch erst nach Rücksprache, per WhatsApp Video Chat, mit dem Chef passieren lässt. Er spricht kein Wort Englisch, zeigt meinen Beiden dann aber die ganze Villa, die man auch mieten kann und versteht nicht so ganz, dass meine Beiden da schlafen werden, wo sie hingehören. Bei mir! Irgendwie klappt es aber dann doch gut genug mit der Verständigung, dass ich einen Parkplatz zugewiesen bekomme.

Die Villa war eigentlich als Haus für die Familie gebaut worden, die dieses Land und auch noch andere Ländereien und „Meranis“ betreibt. „Merani“ ist die Bezeichnung für die Georgischen Weinkeller. Als der Tourismus Boom in den letzten Jahren einsetzte wurde das Haus als Touristenunterkunft umkonzipiert und letztes Jahr dann soweit fertiggestellt, dass es vermietet werden kann. Die Familie hat nie auf dem Hof gewohnt und wird es auch in Zukunft nicht tun. Deswegen gibt es den „Care-Taker“ der in einer alten Blechhütte neben der Villa wohnt.

Der Gastgeber kommt dann auch perfekt pünktlich zur vereinbarten Zeit und versorgt meine Beiden mit vielen Informationen rund um den Georgischen Wein. Wein wurde in Georgien vor 8000 Jahren erfunden und wird hier ganz anders hergestellt als in Europa. So spricht man in Georgien auch von dem „Europäischen Wein“, der auch aus Georgien kommen kann, aber nach dem Europäischen Verfahren hergestellt wurde und dem „Georgischen Wein“ oder „Qeveri Wein“. So wie „Meranis“ eigentlich keine Keller sind, gibt es auch für „Qeveri“ keine gute Übersetzung. Im Prinzip sind Qeveri große Tonkrüge, die bis zu 1800 Liter fassen können und in der Erde vergraben werden, so dass nur die Öffnung noch über dem Boden sichtbar ist. Darüber wird dann ein Haus errichtet – Der „Merani“. Die Trauben werden direkt nach der Ernte gequetscht und dann komplett mit Schalen und allem drum und dran in den Qeveri gegeben. Dort werden sie dann 4 Wochen lang jeden Tag mehrfach durchgerührt, bis der Fermentationsprozess abgeschlossen ist. Anschließend wird der Qeveri Luft-dicht verschlossen und der Wein reift für mindestens 6 Monate. Am Ende dieser Zeit haben sich dann die Schalen am Boden abgesetzt und der Wein wird in Stahltanks oder andere Container umgefüllt. Er kann dann auch in Eichenfässern gelagert werden, die aber aus Europa kommen und wenig mit den Georgischen Traditionen zu tun haben. Aus den verbleibenden Rückständen wird ein Tresterschnapps gebrannt. „Chacha“. Mit dem werden meine Beiden aber nicht mehr warm.

In der Verkostung dürfen die Beiden dann verschiedenen Weiß- und Rotweine, sowie weitere Produkte kosten. Die Weißweine sind relativ leicht, da sie für die Georgischen Feiern konzipiert sind, wo man mit 2-3 Litern Wein pro Kopf rechnet. Auch beim Rotweine lernen meine Beiden, dass man diesen erst richtig verstehen kann, wenn man 4-5 Gläser getrunken hat, denn der erste Schluck schmeckt nicht. Erst ab mehreren Gläsern fängt dieser Wein an gut zu schmecken. Da der Hof nicht nur Wein anbaut sondern auch Haselnüsse und Pfirsiche gibt es noch mehr zu verkosten. Die Preise für Pfirsiche sind so stark gefallen, dass diese nicht mehr Wirtschaftlich angebaut und verkauft werden können. Deswegen werden sie hier auf dem Hof zu einem sehr interessanten Schnaps verarbeitet.

Zum Essen gibt es dann natürlich den Lieblingswein aus der Weinprobe, wo sich meine Beiden den Rat mit den 4-5 Gläsern zu Herzen nehmen und vielleicht ein wenig zu tief ins Glas schauen. So klingt der eigentlich geplante „letzte Tag“ in Georgien sehr gemütlich aus…. Und ich muss doppelt gut auf meine Beiden beduselten aufpassen…..

Am nächsten Morgen, bereuen meine Beiden dann aber doch die Ratschläge ein wenig und entscheiden noch einen gemütlichen Tag in Georgien zu bleiben. So geht es für uns alle 3 hinunter in ein Flussbett, wo meine Beiden zum ersten Mal seit vielen Wochen die Stühle rausholen und neben mir, statt in mir, die Sonne geniessen. Morgen soll es dann aber wirklich weiter nach Azerbaijan gehen.

Hinterlasse einen Kommentar