Oh je, jetzt habe ich schon ein ganz schlechtes Gewissen. Ich habe meine Beiden inzwischen schon halb durch Georgien gebracht und es ist sooooo viel passiert, dass ich garnicht dazu gekommen bin zu berichten. Also der Reihe nach: am letzten Tag in Batumi wurde das Wetter besser und meine Beiden sind wieder zurück gezogen, wo sie hin gehören. Zu mir!!! Dann haben sie sich mit Paula und Finn getroffen, die seit 7 Monaten unterwegs sind, und uns entgegen kamen, also viele Tipps und Ratschläge für die nächsten Etappen hatten. So haben die 4 sich festgequatscht, bis es Zeit wurde zum „Valentines Event“ in der Weinbar zu gehen. Dort gab es dann reichlich zu essen, gekocht von einem russischen Koch, der die Georgische Küche neu interpretiert hat, denn alles was mit lokalen Produkten zubereitet ist, ist für ihn auch lokales Essen. Sehr lecker, sagten die Beiden, sehr viel Käse sage ich!…. Und ich darf die zusätzlichen Kilos wieder schleppen…… grummel…..



Neben dem Essen wurde auch viel über die Georgische Kultur erklärt, immer auf Russisch und Englisch, da es keine gemeinsame Sprache für alle gab. Georgische Gastfreundschaft gehört zum höchsten Gut es Landes, genauso wie zahlreiche Kriege zur Geschichte gehören. So werden in den Dörfern die Besatzungen der Russischen Panzer auch gerne mal auf einen Kaffee eingeladen, während sie sich als Feinde durchs Land rollen. Mindestens genauso wichtig ist der jungen Generation aber auch Stabilität und Freiheit. Beides ist immer wieder bedroht und vermutlich deswegen auch so wichtig. Und so geht dann auch der erste Trinkspruch auf eben diese Werte: Stabilität und Freiheit! Es folgen noch weitere. Auch das ein Teil der georgischen Kultur, der an diesem Abend aber nur in einer abgespeckten Version zelebriert wird. So kommen meine beiden zwar spät, aber halbwegs nüchtern wieder zurück und wir können unsere erste Nacht wieder vereint doch noch ein bisschen genießen und verabschiedeten uns mit ein paar letzten Eindrücken von Batumi.




Nach so viel Kultur und städtischem Input durfte ich mich endlich wieder bewegen. In guter Tradition, musste es natürlich noch mal ans Meer gehen und so haben wir alle 3 dann nicht nur eine Nacht sondern 2 Nächte und einen faulen Tag am Schwarzen Meer verbracht, bevor wir uns auch von diesem Meer verabschiedeten. Eigentlich wäre ein Öl-Check dringend notwendig gewesen, aber ich wurde so gut von, leider sehr kranken, Strassenhunden bewacht, dass die Beiden sich nicht so richtig getraut haben unter mich drunter zu kriechen, denn dort war das Revier des „Aufpassers“. Jeder weitere Hund wurde sorgfältig verjagt. Also musste der Öl-Check warten…. Doof…. Ich brauche doch regelmäßig meinen Schluck aus der Pulle…… die Beiden dürfen mal wieder saufen und ich nicht……



Also ging es weiter in Richtung Osten, durch viele Dörfer, die im Durchschnitt doch recht arm wirken, bis nach Kutaisi. Dort wollten meine Beiden sich eine große Höhle anschauen. Kurz vor der Höhle durften ich mit meiner Ausrüstung mal wieder helfen, bzw. es zumindest versuchen. Ein BMW hatte sich einen Nagel eingefahren, der dann zu einem Plattfuß geführt hatte. Ersatzrad war verfügbar, aber ein Wagenheber fehlte. Ich hätte ja gerne mit meinem Wagenheber ausgeholfen, aber diese tiefergelegten Rennschlitten sind halt einfach zu flach……. Tja….. wenn man kein richtiges Auto ist, hat man eben Pech gehabt….. Für meinen Kompressor war das Loch im Reifen zu groß und so musste der Fahrer auf andere Hilfe warten. Wenigstens konnte meine Beiden einem weiteren Insassen des Fahrzeugs helfen: Kevin. Kevin ist ein Student aus Siegen, der gerade ein Auslandsemester in Bursa (Türkei – ihr erinnert euch vielleicht) gemacht hat und jetzt noch ein paar Wochen durch Georgien tingelt und auch zu der Höhle wollte. Der BMW sollte ihn dort hin bringen. Zum Glück habe ich 3 Sitze. Kevin wechselte also zu mir und meinen Beiden und dann ging es lustig weiter. Die Höhle war leider geschlossen. Nicht so schlimm. So konnte ich Kevin noch brav in sein Hostel zurück bringen und meine Beiden bekamen ein leckeres Mittagessen als Dankeschön.





Zum Übernachten ging es dann noch mal ein Stückchen aus der Stadt raus – schnell noch Tanken – jajajaja…… die Beiden werden langsam nachlässig. Tanken erst wenn die Kontrolllampe leuchtet und den Öl-Check wieder nicht gemacht….. Dafür durfte ich für den Schlafplatz – eine tief verschneite und etwas matischge Wiese mal wieder alle 4 Räder bewegen. Das sollten wir wirklich öfter machen…… nicht immer nur so langweilige Teerstrassen. Weiter ging dann am nächsten Morgen mit einem kurzen Zwischenstopp in einem Kloster. Da wo es dann für mich wirklich nicht mehr weiter ging, waren die Beiden am Ende auch zu feige zu Fuß rüber zu gehen und wir wollten ja noch weiter und keine Stunde langen Wanderungen machen. Der Tisch und die Bank bei den Gräbern wird übrigens dafür genutzt mit den Toten gemeinsam zu Essen. Insbesondere am Ostermontag. Dann wird auch Wein aufs Grab gegossen, damit auch die Verstorbenen etwas mitfeiern können.





Ganz in den Süden von Georgien sollte es gehen….. ja auch wenn ich auf die Richtung achte, ab und zu sind größere Umwege auch mal akzeptabel. Nächste Nacht, nächster Platz: vor einer riesigen, perfekt (manche sagen zu perfekt) restaurierten Burg. Auch hier: Schnee und Eis. Nachts soll es -6 Grad werden. Diesesmal sind meine Beiden aber vorbereitet und haben alles Wasser abgelassen, die Standheizung läuft durch, so dass die Beiden eine ruhige Nacht haben…… nur mein Öl haben sie wieder nicht gemacht…… so langsam wird aber überfällig ihr Lieben!….
Heute morgen gab es dann erstmal eine ausgiebige Besichtigung der Burg, in der man sowohl Christlich-Georgische Epochen als auch Osmanische Islamische Epochen sehr gut erkennen konnte. So erinnert die Burg ein wenig an die Alhambra in Spanien, oder an eine Mischung aus Topkapi Palast in Istanbul und eine der vielen Ritterburg, die man in West-Europa finden kann.







Mittags folgte dann eine er schönsten Strecken, die ich bisher fahren durfte. Durch ein enges Tal, immer am Fluss entlang, dass sich dann auf einmal weitete und hinter jeder Kurve wieder ganz anders aussah – die Hauptstraße nach Armenien, zumindest Teilweise endlich mal eine Straße nach meinem Geschmack, auch wenn andere Autos das wohl nicht so toll fanden. Da verzeihe ich den Beiden dann ausnahmsweise auch mal, dass sie sich nicht um mein Öl gekümmert haben.



Der letzte Stopp für heute soll dann Vardzia sein. Eine Höhlen-Kloster-Stadt, in den Berg hinein gebaut und gut versteckt. Bis zu 7000 Menschen konnten hier versorgt werden. Ein Erdbeben hat dann dafür gesorgt, dass ein Großteil des Hangs abgerutscht ist, so dass die Höhlen freigelegt wurden und man diese nun auch von unten sehr gut sehen kann. Das ist meine Aussicht, während meine Beiden sich alles ganz genau anschauen. Und dann endlich!!!! Bekomme ich doch meinen längst überfälligen Check. Motoröl gibt’s immer noch kein frisches, aber beim Getriebe darf ordentlich aufgefüllt werden und da ich ja doch manchmal ganz nett bin, zeige ich auch noch mal deutlicher, wo das Öl verloren geht, zumindest ein Teil davon. Sonst wäre es ja zu langweilig. Ein paar Schrauben habe ich ja immer locker, die vom Öl-Deckel zu lockern macht natürlich ganz besonders viel Spaß…. Grins….. Nun sind sie wieder fest….. dumm….. Jetzt muss ich mir wohl was neues einfallen lassen.




