Rutschpartie und Pfützenslalom

Bäh Schnee!!!!…. brrrr kalt…. beides nicht so meins, wie ihr wisst. Aber da sich meine Beiden so gut um mich kümmern, versorgen ich sie auch mit (fast) allem, was sie so brauchen: Wärme, Licht…… ok…… erwischt……. wenn es mir zu kalt wird, schalte ich das Licht im Wohnbereich nämlich lieber aus…. nicht dass die Batterie noch kaputt geht…., aber die Wärme lasse ich den Beiden dann doch, auch wenn sie mich im Schnee versinken lassen.

Am nächsten Morgen – Tag 2 im Schnee – wagten meine Beiden es dann doch tatsächlich das tief verschneite Trabzon ein bisschen unsicher zu machen und sich ein letztes Mal türkischen Köstlichkeiten hin zu geben (….ja, ja und wer darf das extra Gewicht wieder schleppen……!!). Trabzon ist viel Touristischer, als alles was wir 3 sonst in der Türkei erlebt haben. So ist es aufeinmal wieder einfach im Restaurant auf Englisch zu bestellen und beim Bäcker mit Worten, statt mit den Händen Brot zu kaufen.

Noch eine Nacht im Schnee, der aber langsam weniger wird und dann darf ich endlich mal richtig zeigen, was ich kann. Nachdem ich mühsam ausgegraben wurde und ich mich in Ruhe aufwärmen durfte, kann ich auf allen 4 Rädern vom Parkplatz rollen und sogar noch mal kurz anhalten, damit meine Beiden anderen helfen können. Allerdings wurde ich nicht gebraucht…… schnüff….. hätte ja auch gerne geholfen. Auf Eisschienen Rolle ich dann weiter in Richtung georgischer Grenze und darf meine Wintertauglichkeit endgültig unter Beweis stellen. Ganz brav und sicher bringe ich die Beiden ihrem nächsten Ziel ein großes Stück näher. Inzwischen kommt auch die Sonne raus, so dass meine Beiden die verzauberte Landschaft mit Schnee und Meer auch ein wenig genießen können.

Eine letzte Nacht in der Türkei, da meine Versicherung erst einen Tag später beginnt. Hier waren meine Beiden dann doch schneller unterwegs, als sie es selber erwartet hatten. Dann geht es bei Schnee, eisigen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein nach Georgien. An der Grenze darf mich nur Inken begleiten. Patrick muss zu Fuß gehen. Deswegen benehmen ich mich auch ganz besonders gut und sorge, insbesondere bei den türkischen Grenzbeamten für viel Freude und ein breites Grinsen……. Eine Frau, die so ein Auto fährt…… ja, tut sie!….. und ich passe auf, dass das auch gut geht…. grins….. ! Ich bringe Inken schneller nach Georgien als Patrick es zu Fuß schafft, aber er kommt dann auch irgendwann und wir warten natürlich brav zwischen Versicherungshaien und Wechselstuben.

Auf dem Weg nach Batumi darf ich dann noch mal kurz verschnaufen, während meine Beiden sich eine alte Burgruine anschauen. Dann geht es ins Guesthouse. Ja, ich darf mich mal 3 Tage ausruhen, denn meine Beiden müssen sich um Wäschewaschen, SIM Karten und ähnliches kümmern und freuen sich auch darauf mal ein bisschen mehr Platz zu haben. Zum Glück kann ich direkt vor der Haustür stehen, so dass ich die beiden meistens ganz gut im Blick habe. Irgendwer muss ja aufpassen, dass die keinen Unfug anstellen. Denn aufpassen muss ja schon jemand, wenn es als Willkommensgruß vom Guesthouse eine Flasche Wein und eine Karaffe Schnaps auf dem Zimmer gibt!

Da das Wetter noch wunderschön ist, nutzen meine Beiden den Nachmittag für einen ausgiebigen Spaziergang durch die Altstadt und über die Strandpromenade von Batumi. Was sofort auffällt ist, dass Stadt und Strand mit Abstand die saubersten sind, seit Kroatien. Batumi fasziniert vorallem durch seinen Mix aus Jugendstil-Altstadt, Plattenbauten und modernsten, architektonisch hoch interessanten 5 Sterne Hotels – es scheint, als haben alle großen Ketten der Welt hier einen Wettbewerb veranstaltet, wer das interessanteste Hochhaus bauen kann. Dazu kommen noch viele Skulpturen und wunderschön angelegte Parks, direkt an der Strandpromenade. Der Schnee und die Sonne tauchen die Stadt in einen ganz besonderen Zauber, den es hier wohl auch nur alle paar Jahre mal gibt. Allerdings macht der festgetretene Schnee auf den Fusswegen die Stadt auch zu einer großen Rutschpartie…… ja, ja, da sollten sie lieber mit mir unterwegs sein. Ich bringe sie sicher über rutschig Straßen!

Den normalen Batumi-Winter, sollten meine Beiden dann die nächsten 2 Tage erleben – Regen, Regen und noch mal Regen…. und ich muss einsam und alleine vor dem Guesthouse stehen, während meine Beiden es warm und trocken haben….. grummel….. Dafür dürfen sie nun auf ihren Erkundungs- und Besorgungstouren um riesige Pfützen Slalom laufen… auch durch die Pfützen hätte ich sie ja gerne sicher gebracht….. aber nein, sie wollen es lieber alleine machen….. dann genieße ich eben meine Ruhe…. aber Mitleid wegen der nassen Klamotten bekommen sie von mir keins! Brauchen sie anscheinend auch nicht, denn sie trösten sich lieber mit einem ausgiebigen Abend in einer der vielen Weinbars von Batumi. Diese entpuppt sich als eine ganz besondere: Die Bar selbst ist eine Garage, die zu einem größeren Haus gehört, in dem gerade eine Bibliothek, Co-Workingspace und Veranstaltungsraum entsteht. Der Besitzer ist jung, betreibt das alles neben seinem Hauptjob als Erdöl Händler (oder so was) und steht für das aufstrebende, hippe Georgien: alles ist „sustainable“, auch wenn im Sommer der Aircon laufen muss, um die Weinkeller kühl genug zu halten. Wein ist seine Passion und die Barkeeper sind „independent Hosts“ und Kollegen und nicht seine Angestellten. Garage und Haus gehört einer Tante die es nicht braucht, also kann hier eben etwas neues entstehen.

Meine Beiden sind die einzigen zahlenden Gäste an dem Abend, auch wenn der kleine Laden zwischendurch gerappelt voll ist. Er entpuppt sich als Treffpunkt von „hängen gebliebenen“ aus der Ukraine, Russland, Japan und vermutlich noch weiteren Ländern. Die Stories ähneln sich: „Ich bin für einen Urlaub in 1-2 Wochen hierher gekommen, das was vor 5 Jahren“….. Ja, Batumi entpuppt sich als wirklich spannende Stadt mit einer gewissen Sogwirkung und so haben meine Beiden auch entschieden noch einen Tag länger hier zu bleiben, um ein Event in der Weinbar mit zu nehmen.

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