Das nächste große Ziel für meine beiden war es, eine Versicherung zu finden, die die Lücke schließt die die Deutsche Versicherung gelassen hat. Auf der Suche nach einer Lösung stellt sich heraus, dass es wohl inzwischen extrem unüblich ist nur einen Teil eines Landes abzudecken, aber sei es drum. Das können die Beiden nun nicht mehr ändern.
Der Versuch eine Türkische Versicherung zu finden führte die Beiden in die Kleinstadt Biga, zu einer Filiale einer großen Versicherungskette. Google Translate brachte die Auskunft, dass die Person, die uns helfen kann in einer halben Stunde wieder da ist. Also blieb etwas Zeit zum Einkaufen.
Helfen wollte man den Beiden (und mir!) dann auch wirklich und das mit Recht passablem Englisch. Die Versicherungsmaklerin stammt aus Istanbul und ist eigentlich schon in Rente, aber weil sie ihren Job so liebt, macht sie noch ein bisschen weiter. Bei Tee und Kaffee, mit viel Geduld und unendlicher Freundlichkeit, wurden viele Hürden überwunden, wie z.B. eine Kaputte Tastatur, Einträge, die nur die Zentrale in Istanbul machen konnte, viele Telefonate usw…. Nach etwa 2 Stunden und endlosen Telefonaten wurde dann aber klar, dass es wohl doch nicht geht ein Deutsches Fahrzeug zu versichern.
Ohne Englisch konnten die Beiden sich dann noch mit einen Kebab in der Dorf-Kebab-Bude stärken und beraten, wie es weiter geht. Auch hier wurde alles mit Geduld, Fürsorge und einem Lächeln abgewickelt. Ein neuer Plan musste also her. Erstmal einen schönen Platz zum Übernachten finden: direkt am Meer finden wir alle 3 es eigentlich immer am besten. Dann das Internet bemühen und eine teure, aber schnelle Lösung gefunden. Ich habe meine Haftpflicht Versicherung und kann nun auch in Asien allen möglichen Unfug anstellen….. hihihi.
Da der Platz ganz nett war und die Beiden auch mal wieder eine Pause brauchten wurden 2 Nächte aus dem Zwischenstopp und ich bekam mal wieder ein bisschen Pflege und einen groooooßen Schluck aus der Ölpulle….. hicks……. Wenn die mich so besaufen, dann kann ich für nix mehr garantieren, aber das sollten die beiden erst am nächsten Tag feststellen.


Auf dem Rückweg vom Strandspaziergang begegneten den beiden noch französische Rentner, auf dem Weg nach Süd-Ost Asien und wollten sich zu uns gesellen. Ich hätte mich ja durchaus über Gesellschaft gefreut. Leider war deren Reisegefährte dann aber doch etwas zu schwer und nur auf der Vorderachse angetrieben, so dass sie schon nach 5m in meinen Fahrspuren nicht mehr weiter kamen…. Tja, ist halt nicht jeder für Sand und Wüste gebaut! Aber ich will ja nicht so sein und habe natürlich fleißig mit geholfen meinen Leidensgenossen aus dem Sand zu ziehen….. Um mich dann wieder auf meinen Platz direkt am Meer zurück zu ziehen.

Nach einer ruhigen letzten Nacht am Marmarameer sollte es dann über Bandirma nach Bursa weiter gehen…… und da ich ja immer noch ein bisschen beschwippst war, dachte ich mir, dass es mal Zeit wird den Ernstfall zu proben. Eine etwas längere sehr Steile Abfahrt zum Hafen von Bandirma runter, ein leichter Verbrennungsgeruch in der Luft, die Beiden biegen auf einen Parkplatz ein. Perfekt!….. Klonk, klonk, klonk….. Laut und im Motor Takt sorgt sowas für sofortige Aufmerksamkeit von meinen Beiden. Damit die Suche nach dem Problem nicht zu Aufwändig wird (schließlich will ich ja noch viel weiter reisen), markiere ich die Stelle brav mit dem überschüssigen Öl. Das wissen die beiden aber nicht, und so erschrecken sie sich nur noch mehr……ein deutlicher Verbrennungsgeruch, sehr laute Geräusche und Öl an einer Stelle, wo bisher nie was war, ein schneller Ölcheck zeigt zudem, dass der gerade nachgefüllte Öltank fast leer ist….. , das jagt ihnen dann doch einen Schrecken ein… hmmm…. Das habe ich eigentlich nicht gewollt….. aber man wird doch auch mal seinen Spaß haben dürfen, oder? Ich habe mich jetzt über 5000km (fast) immer gut benommen!….. ok, das an der Grenze nach Albanien, war nicht so nett, aber sonst benehmen ich mich perfekt und mache alles gut mit…. Wird ja wirklich schon langweilig immer nur über die Abenteuer der beiden zu berichten und nie über meine Eigenen!
Etwas angespannt, entscheiden die Beiden mich erstmal abkühlen zu lassen und die Stadt zu erkunden… pffft…. Da wird man verletzt einfach stehen gelassen….. Aber zumindest wird den Beiden sehr schnell klar, dass der Verbrennungsgeruch nicht von mir kommt…. Punkt 1 schon mal gelöst. Bandirma stellt sich als sehr gemütliche und untouristische Hafenstadt heraus. Von hier kommt man auch mit dem Schiff in 2 Stunden nach Istanbul, wo es Landrover Spezialisten gibt…. Dabei wollte ich doch nicht wieder durch einen Großstadtdschungel….


Auf dem Weg zurück vom Stadtbummel kann Patrick dann auch noch den Fahrer von meinem sehr viel jüngeren Bruder aus dem Verkehr ziehen und bekommt die Telefonnummer, von einer Werkstatt, in der man auch deutsch kann. Hilfe organisieren können die Beiden also schon mal ganz gut. Wieder bei mir angekommen finden die Beiden auch recht schnell, wo das Geräusch herkommt… habs ja deutlich genug markiert. Das ich nicht ganz dicht bin, ist ja ausreichend bekannt, aber zudem habe ich auch ein paar Schrauben locker und dieses Mal sogar eine ganz abgeworfen. Das ist schnell repariert. Der Ölverlust scheint auch nicht so viel zu sein, wie die Beiden zuerst dachten. Ein 2. Check zeigt, dass der Tank doch voll ist. Ich trinke ja ganz gern mal einen oder 2, aber so ist ein Suffkopf bin ich dann doch nicht. Aber der Termin in der Werkstatt war gemacht, also blieben die Beiden in Bandirma und ich musste mich nur noch ein paar km zum Schlafplatz bewegen.
Am nächsten Morgen ging es also ins Schrauberbuden Viertel, was es in jeder Stadt zu geben scheint. Die Adressen dort kennt Google nnicht und so wurde das auffinden der Werkstatt zu einer lustigen Schnitzeljagd. Als die Werkstatt gefunden war, wollten die beiden doch tatsächlich, dass mein Motor komplett zerlegt wird… hier in so einer Klitsche soll mir am offenen Herzen rumoperiert werden? … so war mein kleiner Spaß dann nicht gemeint gewesen!…… Zum Glück konnte oder wollte die Werkstatt das auch nicht und schickte mich 100km weiter nach Bursa. Endlich wurde ich auf einer Strecke mal von den Beiden nicht so gejagt, wie sonst üblich und so habe ich mich auf der Strecke auch entsprechend gut benommen.



Nächstes Schrauberbuden Viertel, nächste Schnitzeljagd, und diesmal konnte man weder Englisch noch Deutsch, aber ein Übersetzer war schnell gefunden. Nach der initialen Diagnose: „Kolben kaputt“, wurde endlich noch mal genauer hingeschaut und zugehört. Ja ich hatte gerade noch mal Öl bekommen, ja ich musste mit der Motorbremse steil bergab fahren, ja der Motor hört sich doch gut an….. Vielleicht war es einfach zu viel Öl?….. Also: wir machen einen Ölwechsel, damit wir sicher sind, dass nicht zu viel drin ist…. Weitere Diskussionen folgen, der nächste Übersetzer wird telefonisch bestellt, denn der Öl-Peilstab ist bestimmt der falsche. Der neue Übersetzer hat praktischerweise lange mit Teilen für mich und meine Brüder gehandelt und irgendwie das passende Teil gleich mit dabei. Der Ölstand sieht jetzt ok ist…. *Kopfschüttel*….. Ich hab mich ja auch schon selber von dem, was zu viel war befreit… das habt ihr doch gesehen…… aber eine gute, um nicht zu sagen, sehr gute Idee haben sie dann doch noch! Endlich, endlich soll ich mal wieder richtig Luft bekommen und der Luftfilter wird gereinigt. Das haben die beiden nämlich immer und immer wieder vergessen. Da wird dann auch klar, wie ich mich des überschüssigen Öls entledigt habe…. So ein Mist, die finden auch alles raus… im Luftfilter und im Luftansaugschlauch können alle den Weg des Öls mehr als deutlich sehen.


Ich kann endlich wieder durchatmen, meine Beiden sind wieder entspannt und wir alle 3 haben gelernt, wo und wie man die richtige Hilfe zur richtigen Zeit finden kann und das meistens alles nicht ganz so dramatisch ist, wie gedacht. Nur nach Großstadt ist meinen Beiden zum Glück gerade nicht. Deswegen geht es erst noch mal 30km zurück in ein kleines Dorf vor Bursa, was den Städtern als Ausflugsziel dient. Dort kann zum ersten Mal seit Athen die Standheizung nachts aus bleiben. Dafür, darf ich mal wieder demonstrieren, wo ich überall undicht bin, denn es regnet….. Im Regen geht es nun mit 2 Tagen Verzögerung doch noch nach Bursa, aber das ist dann die nächste Geschichte.



